Inklusion:

Gespaltene Meinungen über Pilotprojekt an Schulen

Ziel ist das gemeinsame Lernen – egal, ob behindert oder nicht. Der Weg zur sogenannten Inklusion ist jedoch umstritten. Zudem sorgen die Kosten für Zündstoff.

Uli Deck In einigen Klassen lernen behinderte Kinder bereits zusammen mit nicht behinderten Schülern.

Das „Pilotprojekt Inklusion“ ist aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) derzeit nicht auf alle Schulen übertragbar. „Die Rahmenbedingungen stimmen nicht“, sagte der brandenburgische Landeschef Günther Fuchs. Erste Ergebnisse einer Studie, die das Projekt zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Grundschülern begleitet, seien nicht aussagekräftig. „Das System vergleicht sich mit sich selbst“, kritisierte Fuchs ein Jahr nach Start des Projektes. Nötig sei aber der Vergleich zu Regelschulen sowie Förderschulen.

Brandenburgs Bildungsministerium bewertet die ersten Erkenntnisse dagegen positiv. Vor allem sei die Befürchtung vieler Eltern widerlegt, dass es zu einem Leistungsabfall komme, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Im Fach Deutsch seien beispielsweise binnen weniger Monate deutliche Entwicklungen bei leistungsschwachen Schülern beobachtet worden. Auch im Fach Mathematik gebe es Fortschritte, so das Ministerium. Dazu komme: Die Lehrkräfte äußerten sich positiv, vor allem zum Klima im Kollegium und zur Unterstützung durch die Schulleitung.

Die GEW kritisiert eine Mehrbelastung der Lehrkräfte. Es seien eine bessere Personalausstattung und Struktur nötig.

Zu hohe Kosten?

An dem landesweiten Pilotprojekt beteiligen sich seit vergangenem Schuljahr 84 Grundschulen und Oberschulen mit Grundschulteil. Für das Projekt wurden in Brandenburg laut Ministerium 117 Lehrerstellen geschaffen. Nach einer 2012 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung benötigt das Land in den kommenden Jahren mehr als 600 Lehrer zusätzlich. Den Berechnungen zufolge kämen so 44,4 Millionen Euro Mehrkosten auf das Land zu.

GEW und Opposition bezweifeln, dass Brandenburg entsprechend vorbereitet ist. Die FDP-Fraktion im Landtag warf Münch „Augenwischerei“ vor. Für das Pilotprojekt würden Lehrer von Regelschulen abgezogen, so dass sich dort der Unterrichtsausfall weiter verschlimmere, sagte der FDP-Vorsitzende Andreas Büttner.

Nach der Bertelsmann-Studie haben in Deutschland rund eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler besonderen Förderbedarf. In Brandenburg lernen demnach 38,8 Prozent solcher Kinder gemeinsam mit anderen Schülern.

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