Finanzielle Probleme:

Gibt es auf dem Land bald keine Taxis mehr?

Ob vor Kliniken oder auf dem platten Land: Taxifahrer sind rund um die Uhr im Einsatz. Doch niedrige Tarife und hohe Kosten bringen viele Unternehmer in Existenznöte. Das könnte für die Fahrgäste bald böse Folgen haben.

Selbst in der Landeshauptstadt Potsdam müssen die Fahrer lange auf Passagiere warten.
Bernd Settnik Selbst in der Landeshauptstadt Potsdam müssen die Fahrer lange auf Passagiere warten.

Brandenburgs Taxifahrern machen niedrige Tarife und hohe Kosten für Sprit und Versicherungen zu schaffen. „Gerade jenseits des Berliner Speckgürtels haben viele Fahrer Probleme, sich über Wasser zu halten“, sagte Karl-Heinz Kirle, Landesbeauftragter des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg. Da es in der Mark verhältnismäßig wenig Gelegenheitsverkehr gebe, seien die Unternehmen von Krankenfahrten und Schulverkehr abhängig. Wenn die Gesundheitskassen und Gemeinden neue Aufträge ausschreiben, komme es oft zum Preis-Dumping.

Der gerade beschlossene Mindestlohn ab 2015 könnte die Situation aus Sicht der Branche verschärfen. Kirle warnte, dass viele Taxi-Unternehmen 8,50 Euro pro Stunde nicht zahlen könnten und Entlassungen die Folge seien.

Wenn Hans-Joachim Kollosche über die Situation seiner Kollegen spricht, wird er schnell wütend. „Man bekommt ja weniger als ein Hartz IV-Empfänger“, sagte der Sprecher der Taxigenossenschaft Cottbus. In der Stadt hat es Fahrpreiserhöhungen zuletzt vor sieben Jahren gegeben, seitdem beträgt der Grundpreis zwei Euro, pro Kilometer müssen bei Fahrten bis 3000 Meter 1,80 Euro gezahlt werden, jeder weitere Kilometer kostet dann 1,50 Euro.

Preise meist günstiger als im Bundesdurchschnitt

„Damit liegen wir im Bundesdurchschnitt recht weit unten, aber wir wollen ja auch nicht unsere älteren Stammkunden verprellen“, sagte Kollosche. Allerdings wüchsen die Kosten unaufhaltsam. Ein Neueinsteiger müsse allein für die Versicherung jährlich 6000 bis 8000 Euro aufbringen, dazu kämen steigende Ausgaben für Sprit und Instandhaltung. „Alle sieben bis acht Jahre beantragen wir bei der Stadt eine Tariferhöhung, es ist also wieder an der Zeit.“

An der oft schlechten Einkommenssituation für Taxifahrer wird nach Ansicht von Kirle auch der vom Bundestag beschlossene Mindestlohn nichts ändern. Ab 2015 würde zwar jeder angestellte Taxifahrer 8,50 Euro in der Stunde bekommen. „Aber dafür müsste er erst mal 20 Euro pro Stunde einfahren“, sagte Kirle. „Das schaffen nicht mal die Taxen im Randgebiet von Berlin.“

Wenn es bis zur Einführung des Mindestlohns nicht wesentlich höhere Fahrpreise geben sollte, würden die ersten Fahrer schnell entlassen. Dann drohten regionale Löcher in der Versorgung durch Taxi-Unternehmen, warnte Karl-Heinz Kirle. Noch könne man sich in jede Ecke des Landes ein Taxi rufen.

Schon heute fehlen in ländlichen Regionen Taxis

Das sieht Detlef Baatz, Geschäftsführer der Potsdamer Taxigenossenschaft anders. „In manchen ländlichen Regionen muss man schon Glück haben, damit ein Taxi die Anfrage annimmt.“ Aufgrund der weiten Anfahrtswege würden sich die Fahrten oft nicht mehr rechnen, bis vor einigen Jahren sei das noch anders gewesen.

Um das Geschäft rentabel zu halten, werden laut Baatz längst neue Möglichkeiten ausgelotet. Gerade in Potsdam transportieren die Droschken immer öfter Ärzte, die Hausbesuche machen. Auch Blutkonserven- und Sterilgutlieferungen für Krankenhäuser werden erledigt – das alles bei gleichbleibenden Gebühren seit 2009.

Dass die Taxi-Unternehmen nicht selbst bestimmen können, wie hoch ihre Tarife sind, kann Hans-Joachim Kollosche indes nicht nachvollziehen. „Auch ein Malermeister kann festlegen, wie viel er für seine Arbeit haben möchte – warum nicht wir?“ Die Strukturen, nach denen die Kommunen und Landkreise einen einheitlichen Tarif für ihren Bereich festlegen, seien nicht mehr zeitgemäß.

Schlecht fürs Geschäft seien auch Fahrdienste, die ohne Konzession und Versicherung unterwegs sind und den Taxis mit günstigeren Preisen Konkurrenz machen. Dazu komme, dass viele Hotels und gemeinnützige Einrichtungen heute eigene Kleinbusse haben und auf Taxis nicht mehr angewiesen sind. Außerdem seien die Arbeitsbedingungen schlechter geworden. Immer häufiger würden Kollegen nachts in Cottbus von Jugendlichen bedroht, wenn sie auf den Fahrpreis bestehen, erzählte Kollosche. „Wo soll das nur hinführen?“

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