Polizei trennte beide Lager:

Hunderte Gegendemonstranten bei Pogida-Aufzug

Erneut rief ein Ableger der islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung in Potsdam zu einer Kundgebung auf. Diesmal können sie einen kurzen "Abendspaziergang" unternehmen.

Rund 150 Pogida-Sympathisanten gingen auf die Straße. Circa 700 Menschen stellten sich ihnen entgegen.
Ralf Hirschberger Rund 150 Pogida-Sympathisanten gingen auf die Straße. Circa 700 Menschen stellten sich ihnen entgegen.

Zum dritten Mal sind mehrere Hundert Menschen in Potsdam gegen eine Kundgebung des lokalen Pegida-Ablegers Pogida auf die Straße gegangen. Unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" traten nach Angaben eines Stadtsprechers knapp 700 Demonstranten am Mittwochabend für ein weltoffenes, tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen ein.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte, er halte eine Pogida-Demo am Holocaust-Gedenktag für gefährlich. "Wir sind eine Stadt, die für Toleranz und Weltoffenheit eintritt."

Großaufgebot der Polizei

Am Hauptbahnhof sammelten sich etwa 150 Pogida-Sympathisanten. Anders als bei den vorherigen Versuchen konnten sie diesmal in einem kurzen Demonstrationszug über die Lange Brücke bis zum Filmmuseum marschieren. Unter ihnen waren auch zahlreiche Hooligans. Ein großes Polizeiaufgebot von mehr als 1000 Beamten aus mehreren Bundesländern trennte die beiden Lager. Am Landtag drehte die Pogida-Demonstration wieder um in Richtung Hauptbahnhof.

Zu Ausschreitungen kam es nach ersten Erkenntnissen nicht. Allerdings gab es laut Polizei Stein- und Eierwürfe linker Gegendemonstranten. Dadurch wurde auch ein Polizeifahrzeug beschädigt. Es seien zwei Menschen festgenommen und einer in Gewahrsam genommen worden. Zudem wurden einem Ordner des Pogida-"Abendspaziergangs" Quarzhandschuhe abgenommen, sagte Polizeiführer Michael Scharf. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung.

Organisator wegen Volksverhetzung vorbestraft

Der Organisator des Potsdamer Pegida-Ablegers, Christian Müller, räumte am Rande der Demonstration ein, dass er wegen Volksverhetzung vorbestraft sei. "Volksverhetzung stimmt insofern, dass ich früher im Kinderheim war und dort mal solche Musik abgespielt wurde. Außerdem war ich auch mal in der rechten Szene etabliert", sagte er. Müller bestätigte zudem einen Bericht der "Bild"-Zeitung (Donnerstag), wonach er auch wegen Körperverletzung und Nötigung vorbestraft sei.

Bei den ersten beiden Kundgebungen der islam- und fremdenfeindlichen Pogida-Gruppe in den vergangenen Wochen war es zu Ausschreitungen von linksextremen Demonstranten gekommen. Daher hatte die Polizei erneut ein Großaufgebot zusammengezogen. Auch Wasserwerfer fuhren auf. In der Innenstadt kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen.

Nach Einschätzung des Rechtsextremismus-Experten Dirk Wilking vom Demos-Institut für Gemeinwesenberatung kann die islamfeindliche Pegida-Bewegung in Brandenburg keinen Boden gewinnen. "Rechtsextremismus ist stigmatisiert in Brandenburg", sagte Wilking am Abend auf einer Podiumsdiskussion der Landeszentrale für Politische Bildung. Die Pegida-ähnlichen Demonstrationen im Land würden in der Regel von rechtsextremen Organisationen initiiert. "Aber sobald etwa die NPD wie in Cottbus dann offen Flagge zeigt, laufen ihnen die Leute weg."