Tiefes Tal ist durchschritten:

In Eberswalde geht es endlich wieder aufwärts

Die Kreisstadt des Barnim war vom Industriesterben in Ostdeutschland besonders stark betroffen. Aber in jüngster Zeit investieren immer mehr kleine Unternehmen in Eberswalde. Dennoch gibt es Sorgen.

Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) und ihr Betriebshof sind ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt.
Patrick Pleul Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) und ihr Betriebshof sind ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt.

Die Großen gibt es schon lange nicht mehr, aber dafür sind kleine und mittelständische Firmen nach Eberswalde gekommen. „Sie bringen Leben in die Stadt und sorgen für Arbeitsplätze“, sagt Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). Optimistisch gestimmt ist auch die Zukunftsagentur Brandenburg. „Unternehmen kommen wieder gern“, sagt ihr Sprecher Alexander Gallrein. „Hier finden sie hoch motivierte und hoch qualifizierte Mitarbeiter, die bereitstehen.“

Die Stadt im Osten Brandenburgs spürt nach harten Jahren einen gewissen Aufwind. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb sich die Kanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel kurz vor der Landtagswahl in Brandenburg Eberswalde für einen Wahlkampfauftritt am kommenden Sonnabend ausgesucht hat.

Nach dem Ende der DDR fielen massenhaft Arbeitsplätze weg

Nach dem Ende der DDR hatte die damals vor allem für Kranbau, Rohrleitungsbau und Fleischwirtschaft bekannte Kommune eine enorme Schrumpfkur zu verkraften. Tausende Arbeitsplätze brachen weg. „Die Lage war katastrophal“, berichtet Boginski. Die Einwohnerzahl ging von 52.000 auf jetzt 40.000 zurück.

In den aufgelösten einstigen volkseigenen DDR-Betrieben gründeten sich später viele kleinere Betriebe, die zu einem großen Teil ihre geschäftliche Nische fanden. Auf dem Gelände des ehemaligen VEB Kranbau etwa hat sich unter anderem die Kirow Ardelt GmbH angesiedelt. Das Unternehmen liefert Krane in die ganze Welt.

„Das Eberswalder Metall-Gen vererbt sich bis heute“, sagt Rüdiger Thunemann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft des Landkreises. „Hier ist sicher nicht die bekannteste Industrieregion des Landes, aber eine der traditionsreichsten.“

Arbeitslosenquote allerdings immer noch über dem Landesdurchschnitt

„Wir sind aber nicht über den Berg“, warnt der Bürgermeister. Die Arbeitslosenquote in der Kreisstadt des Landkreises Barnim lag im August mit 13,9 Prozent immer noch deutlich über dem Landesdurchschnitt von etwa 9,1 Prozent. Es gebe aber Hoffnung auf Besserung, sagt der Bürgermeister.

Gerade erweitert der Autozulieferer Schmidt Maschinenbau seinen Standort. „Die Bedingungen sind exzellent“, lobt Inhaber Herbert Schmidt, der aus dem schwäbischen Westhausen kommt. Investiert werden 12 Millionen Euro, mit einer öffentlichen Förderung von drei Millionen Euro.

Eine Produktionsstätte zur Aufbereitung von Kunststoffen zu hochwertigen Wachsen baut derzeit das Unternehmen Parmenion. 2,5 Millionen Euro werden investiert. Und die Fügetechnik Berlin-Brandenburg investiert eine halbe Million Euro in eine Produktionsstätte für Hochleistungskeramik.

Gute Entwicklung auch beim Traditionsbetrieb Eberswalder Wurstwaren

Einiges habe sich zum Positiven entwickelt, auch in anderen Branchen, betont Boginski. Im Traditionsbetrieb Eberswalder Wurstwaren wurden beispielsweise nach Firmenangaben 2013 rund 250 Millionen Würstchen, Bock- und Bratwürste ausgeliefert – ein Plus von knapp sechs Prozent im Vergleich zu 2012.

Doch es tauchen auch immer wieder dunkle Wolken über der Gewerbelandschaft auf. So ist aktuell die Zukunft von drei Instandhaltungswerken der Deutschen Bahn in Brandenburg offen: darunter das Werk in Eberswalde. Viele Arbeitsplätze könnten hier verloren gehen.

Andererseits kommen auch junge Leute in die Stadt. 2.000 Studenten sind an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung eingeschrieben. Für Bürgermeister Boginski gibt es eine Vision: „Kommen, bleiben, mitgestalten.“

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