Sittenwidrige Löhne:

Jobcenter bündeln Kräfte im Kampf gegen Lohndumping

Der Fall eines Prenzlauer Pizzabäckers, der einem Auslieferer nur 1,59 Euro pro Stunde gezahlt hat, ist offenbar ein Signal zum Aufbruch gewesen: Jobcenter in Brandenburg und Berlin wollen schneller und besser auf extrem niedrige Bezahlung reagieren.

Arbeitgeber, die für eine Stunde Arbeit weniger als fünf Euro zahlen, bekommen dafür in der Uckermark vom Jobcenter keine Fördergelder mehr.
Patrick Pleul Arbeitgeber, die für eine Stunde Arbeit weniger als fünf Euro zahlen, bekommen dafür in der Uckermark vom Jobcenter keine Fördergelder mehr.

Mit einer neuen Arbeitsgruppe wollen die Jobcenter in Berlin und Brandenburg ihre Kräfte im Einsatz gegen sittenwidrige Löhne bündeln. „Jedes Jobcenter hat eigene Erfahrungen gesammelt. In der Gruppe tauschen sich Vertreter aller Jobcenter darüber aus“, sagte Olaf Möller, Sprecher der Agentur für Arbeit in Berlin-Brandenburg.

In jüngster Vergangenheit sind immer wieder drastische Fälle von Lohndumping bekannt geworden, etwa der eines Pizzabäckers in der Uckermark, der Stundenlöhne von zum Teil 1,59 Euro zahlte (der Uckermark Kurier berichtete). Menschen, denen das Geld zum Leben trotz Arbeit nicht reicht, können bei Jobcentern eine Aufstockung beantragen.

Die im Oktober gegründete Arbeitsgruppe solle helfen, die internen Abstimmungen zu verbessern, mehr Transparenz in diesem neuen Teil der Arbeit zu schaffen und einen statistischen Überblick über Fälle von Lohndumping zu gewinnen, sagte Möller. Bislang gebe es noch keine Daten dazu. Ende des Jahres wolle die Gruppe ihre Ergebnisse vorlegen.

In der Uckermark überprüfen die Jobcenter Arbeitsverhältnisse gezielt auf Lohndumping. Hier wurde außerdem die Förderpolitik geändert: Arbeitsverhältnisse auf dem regulären Arbeitsmarkt mit einem Stundenlohn von weniger als fünf Euro werden inzwischen nicht mehr gefördert.