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Kassenpatienten dürfen es nicht eilig haben

Knieprobleme oder Magenschmerzen möchte jeder Patient möglichst schnell loswerden. Wie lange man auf die Behandlung warten muss, richtet sich in den meisten Fällen allerdings nach der Versicherungsform.

Wer zum Facharzt muss, kann nicht immer damit rechnen, kurzfristig einen Termin zu erhalten.
Rolf Vennenbernd Wer zum Facharzt muss, kann nicht immer damit rechnen, kurzfristig einen Termin zu erhalten.

Im Nordosten Brandenburgs warten Kassenpatienten rund 23 Tage länger auf einen Facharzttermin als Privatpatienten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Brandenburger Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen in Potsdam vorstellte. Für die Studie riefen Mitarbeiter der Partei in landesweit 250 Facharztpraxen an und baten um einen Termin. Einmal stellten sie sich dabei als Kassenpatient vor, ein zweites Mal als Privatpatient. Im Landesdurchschnitt mussten die gesetzlich Versicherten dabei 24 Tage länger auf einen Termin warten, als die Privatpatienten. Einen der größten Unterschiede erlebten die Tester in einer Augenarztpraxis in Eberswalde: Dort warteten gesetzlich Versicherte rund 170 Tage auf einen Termin. Ein Privatpatient wurde bereits nach 18 Tagen einbestellt. Und im Landesdurchschnitt wurden nur in rund 30 Prozent der Praxen Kassen- und Privatpatienten gleich behandelt.

Die neue Studie wurde keineswegs zufällig vorgestellt: Die Grünen fordern eine Abschaffung der Zweiteilung von Privatversicherungen und gesetzlichen Krankenkassen. Stattdessen soll es eine gemeinsame Bürgerversicherung geben. „Wir sind mittendrin in der Zwei-Klassen-Medizin“, soAnnalena Baerbock, Landesvorsitzende der Grünen. „Vielerorts orientiert sich die Terminvergabe aufgrund der unterschiedlichen Honorarordnungen nicht am Beschwerdebild, sondern an der Art der Versicherung.“ Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Ralf Herre, bestätigte, dass es in manchen Praxen kürzere Wartezeiten für Privatpatienten gebe. Allerdings könne dies nicht so pauschalisiert werden, wie in der Studie der Grünen. „Wenn ich einfach nur einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung will, ist es relativ egal, wann dieser Termin ist“, so Herre. Aus der Studie der Grünen gehe aber gerade nicht hervor, was für eine Art Termin die Anrufer erbeten hätten.

Dagegen sieht sich Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) von der Studie in ihrer Politik bestätigt. „Die Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung hat die Zwei-Klassen-Medizin manifestiert und die Ungerechtigkeiten verschärft“, so Tack gegenüber Uckermark Kurier. Es sei ein falscher Weg, die private Krankenversicherung für alle zu öffnen. Vielmehr müsse „die gesetzliche Krankenversicherung als solidarische Bürgerversicherung gestärkt und ausgebaut werden“. Bei einer Erkrankung müsse es in erster Linie um die Behandlung der Symptome und nicht um die Kassenzugehörigkeit gehen.