1400 Gegendemonstranten:

Kein Durchkommen für Nazi-Aufmarsch

600 Rechtsextreme reisten aus ganz Deutschland an, um in Neuruppin auf die Straße zu gehen. Sie räumten freiwillig das Feld, nachdem sie blockiert wurden. Ein Erfolg für ein buntes Brandenburg. Probleme gab es aber dennoch.

Die Demo der Rechten konnte aus der Innenstadt ferngehalten werden.
Georg-Stefan Russew Die Demo der Rechten konnte aus der Innenstadt ferngehalten werden.

Rund 1400 Menschen haben am Sonnabend gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Neuruppin protestiert. Dabei versperrten Demonstranten den Teilnehmern aus der rechten Szene den Weg mit Sitzblockaden, sagte ein Polizeisprecher. Eine Ausweichroute hätten die Organisatoren der rechten Demonstration abgelehnt und die Veranstaltung von sich aus beendet. Rund 600  Neonazis waren aus dem gesamten Bundesgebiet nach Neuruppin angereist.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses "Neuruppin bleibt bunt", Martin Osinski, zeigte sich zufrieden. Es sei gelungen, die Neonazis aus der Innenstadt zu halten. "Allerdings sind unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit auch diesmal wieder unerträgliche Hassreden von den Rassisten geschwungen worden. Es geht in Ordnung, dass dieses Treiben vorzeitig geendet hat", erklärte er.

 "Trotzdem ist der Umzug der Rechten eine Belastung"

Der Bürgermeister von Neuruppin, Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), wertete den abgebrochenen Aufzug als Erfolg. Dadurch hätten die Neonazis ihre Kundgebung nicht vor dem Fontane-Denkmal abhalten können. Neuruppin sei eine Kultur- und die Fontane-Stadt. Der Bürgermeister betonte: "Trotzdem ist der Umzug der Rechten eine Belastung, die mich ärgert." Der Dichter, bekannt durch seine Wanderungen durch die Mark, wurde dort 1819 geboren.

Vereinzelt Schlagstöcke im Einsatz

Nach Einschätzung der Polizei sind alle neun Veranstaltungen in der Stadt größtenteils friedlich verlaufen. Hin und wieder sei es zu kleineren Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Bei einem Zwischenfall seien allerdings Polizisten von Teilnehmern aus dem linken Spektrum mit Böllern angegriffen worden. Die Beamten wehrten sich mit Pfefferspray. Vereinzelt habe die Polizei auch Schlagstöcke und Wasserwerfer eingesetzt. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben 30  Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen, zwölf Platzverweise ausgesprochen und neun Anzeigen wegen Widerstands- und Körperverletzungsdelikten aufgenommen.

Gefährliche Blockade auf Bahngleisen

Ein Neonazi wurde mit tätowierten NS-Insignien erwischt, gegen ihn wird ebenfalls ermittelt. Zudem müssen sich 15 Vermummte, die von der Polizei der linken Szene zugeordnet wurden, wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr verantworten. Sie hatten die Strecke Velten-Neuruppin blockiert. Der Lokführer einer Regionalbahn konnte gerade noch rechtzeitig bremsen.

Insgesamt sicherten rund 1500 Polizisten die Aktionen in der Stadt. Die Brandenburger hatten Verstärkung aus Hamburg und Niedersachsen sowie der Bundespolizei erhalten. Vereine, Kirchen, Gewerkschaften, Initiativen und Verbände stellten sich dem Nazi-Aufmarsch entgegen und organisierten unter dem Motto "Schöner leben ohne Nazis – Vielfalt ist unsere Zukunft" ein großes Fest. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) hatte es eröffnet.

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