Sorge über "Legal Highs":

Keine Drogen und doch gefährlich

Sie kommen harmlos als Kräutermischungen oder Badesalze daher, werden rechtmäßig vertrieben, sind aber ähnlich gefährlich wie illegale Drogen. Experten treibt das die Sorgenfalten auf die Stirn.

Sogenannte „Legal Highs“ fallen trotz ihrer unberechenbaren Wirkung nicht unter das Arzneimittelgesetz.
Fredrik von Erichsen Sogenannte „Legal Highs“ fallen trotz ihrer unberechenbaren Wirkung nicht unter das Arzneimittelgesetz.

Die Polizei warnt vor dem Konsum sogenannter "Legal Highs". Die als Kräutermischung oder Badesalz getarnten neuen Rauschmittel hätten sich zu einem gefährlichen Phänomen entwickelt, sagte Peter Urban vom Brandenburger Polizeipräsidium. "Diese gelten offiziell zwar nicht als Drogen, sind aber hochtoxisch mit verheerenden Folgen für die Gesundheit", erklärte die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen, Andrea Hardeling.

Neben Panikattacken und Halluzinationen können sich nach dem Genuss auch schwerwiegende Herz-Kreislauf-Probleme, Krämpfe oder komatöse Zustände einstellen. Schwierig sei die Lage auch deshalb, weil die neuen Rauschmittel auf eine neugierige, experimentierfreudige und meist jüngere Käuferklientel treffen.

Konsum gleicht Russischem Roulette

Dies können gerade in Niedersachsen bekanntgewordene Fälle belegen. In Hannover hatten sich vor Kurzem 16 Menschen nach dem Konsum massive "Legal-High"-Vergiftungen zugezogen. Eine 23-Jährige schwebte zwischenzeitlich sogar in Lebensgefahr. "Die Einnahme ist wie Russisches Roulette: Man weiß eigentlich nie, welche Substanzen sich in welcher Konzentration in den Kräutermischungen befinden. Die Wirkung ist absolut unberechenbar", erklärte Urban.

2008 tauchte die Sorte "Spice" erstmals in großem Stil in Deutschland auf. Ermöglicht wurde dies durch eine völlig neue Qualität des Handels. Heute besteht laut Urban eine professionelle und globalisierte Fertigungs- und Vermarktungskette. Die "Neuen psychotropen Substanzen" (NPS) – so der eigentliche Name der "Legal Highs" – produziere man nicht mehr in geheimen Kellerlaboren. Vielmehr handele es sich um in Fernost professionell und industriell gefertigte Massenprodukte von hoher chemischer Qualität, die auch über das Internet vertrieben werden. Dies führe zu niedrigen Preisen von bis zu zehn Euro das Gramm.

Ein Verbot ist schwierig

Substanzen zu verbieten ist nach Urbans Angaben nicht so leicht, da die Hersteller auf ein drohendes Verbot sofort reagierten und die Zusammensetzungen ihrer Mischungen veränderten. Obwohl "Legal Highs" oft als Amphetaminersatz angepriesen würden, seien Drogenfahndern oft die Hände gebunden, da diese Substanzen nicht verboten seien und höchstrichtliche Entscheidungen hierzu vorliegen. Zuletzt hat der Europäische Gerichtshof im Juni 2014 festgestellt, dass "Legal Highs" nicht mehr unter Arzneimittelgesetze fallen.

Bislang wurden von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht 105 neue synthetische Substanzen entdeckt, die insgesamt 14 verschiedenen Stoffklassen zuzuordnen sind. Allein 2013 wurden dabei insgesamt 29 erstmals aufgetretene synthetische Substanzen ausgemacht. Mit Stand Ende August 2014 konnten nur 31 Stoffe verboten werden.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung