Gegen den Trend:

Kindersegen in der Uckermark

Brandenburg fehlen Kinder – und das hat Folgen. Schulen werden abgerissen, Kindergärten stehen leer. Doch nicht überall im Land ist das so. Das Dorf Wallmow in der Uckermark kehrt den Trend erfolgreich um.

Grundschule in Wallmow
Patrick Pleul

Schulschluss in Wallmow: Eltern warten vor dem Gebäude, Kinder schwingen sich aufs Rad oder trollen sich in Grüppchen durchs Dorf nach Hause. Wie sonst kaum in der Uckermark herrscht im Dorf Wallmow an der Grenze zu Polen reges Treiben. Der Spielplatz ist belebt, in den Vorgärten spielen Mädchen und Jungen: etwa jeder vierte Wallmower ist unter 18 Jahre alt. „Von den rund 300 Einwohnern sind 70 Kinder“, berichtet Ortsbürgermeisterin Heike Rymas nicht ohne Stolz.

Der Brandenburger Trend sieht anders aus. Die Einwohnerzahl sinkt laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Das Durchschnittsalter stieg von 37,6 (1991) auf 46Jahre (2011), in der Uckermark von 36,3 auf 47,3 Jahre. Während andernorts in der weitläufigen Uckermark junge Leute abwandern, wollen immer noch Zuzügler nach Wallmow. „Mir liegen noch fünf Wohnungsanträge vor“, sagt Ortsbürgermeisterin Rymas, die aber keine Wohnungen anbieten kann. „Wir haben kein leer stehendes Grundstück, kein freies Haus.“ Die Gemeinde erstellt bereits Bebauungspläne für Lückenbauten.

Kitas werden neu gebaut

Auch in der kommunalen Kita im Nachbarort ist kein Platz frei. Deshalb baut der Verein Zuckermark, der bereits eine freie Schule in Wallmow betreibt, in dem Dorf für 490 000 Euro eine Kita mit 30 Plätzen.

Laut den kürzlich vorgestellten Ergebnissen der Volkszählung von 2011 ging die Zahl der 3- bis 18-Jährigen landesweit dagegen fast um die Hälfte zurück. Vom 1. August an steht jedem Kind ab dem ersten Lebensjahr ein Betreuungsplatz zu. Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch geht davon aus, dass jedes einen Platz in den rund 1800 Kitas oder bei einer der 1270 Tagesmütter haben wird. „Wir sind gut aufgestellt, weil im Land Brandenburg bereits seit langem ein Rechtsanspruch auch für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren besteht, wenn die Eltern berufstätig oder in der Ausbildung oder anderweitig an der Betreuung gehindert sind“, hatte die Ministerin erklärt.Darauf bereiten sich die Kommunen vor: Kitas werden neu gebaut oder erweitert.

Auch Wallmow hatte die typischen Probleme

In Wallmow entsteht die neue Kita in einem ehemaligen Stallgebäude direkt hinter der Schule. Es wird durch einen Neubau aus Holz, Glas und Lehm ergänzt. Entsprechend dem pädagogischen Konzept solle in dem neuen Teil Raum für Bewegung und Spiel geschaffen werden, erläutert Sonja Pinto, bei Zuckermark Projektorganisatorin.

Es entsteht ein großer Raum mit Glasfenstern, den nur die Sonne heizt, sofern sie scheint, ein sogenannter Klima-Hof. Die Kita-Plätze sind begehrt. „Wir können uns vor Anfragen nicht retten“, sagt Pinto. „Wallmow ist eine tolle Gemeinde, Jung und Alt harmonieren gut.“

Nach der Wende sah es in Wallmow nicht anders aus als in anderen märkischen Orten auch. Viele der rund 250 Bewohner verloren ihre Arbeit. Es fehlte an Nachwuchs. Die Gemeinde schloss den Kindergarten. Wallmow versank in einen Dornröschenschlaf.

Doch dann entdeckten Großstädter das kleine Dorf im nordöstlichen Zipfel Brandenburgs, fast vor den Toren von Stettin (Szczecin). „Es kamen Leute aus ganz Deutschland, zuerst Berliner“, erinnert sich Rymas. Sie zogen andere nach sich. „Schwupp, war Wallmow voll.“ Viele Städter möchten ihre Kinder gern auf dem Land aufwachsen lassen, nennt Pinto einen Grund für die besondere Situation in Wallmow.

Die Zugezogenen gründeten den Verein Zuckermark. Er kaufte den einstigen Kindergarten, eröffnete darin 1998 eine Kita, 1999 die Schule und baute eine Jugendkunstschule auf.

„Auch Kinder aus Mecklenburg-Vorpommern gehen bei uns zur Schule“, berichtet die Ortsvorsteherin. Die Schule, die auch polnische Lehrer beschäftigt, habe ein gutes Niveau. Alle Kinder gingen weiter aufs Gymnasium, die meisten nach Löcknitz (Mecklenburg-Vorpommern) ins deutsch-polnische Gymnasium. Die Vereine schufen Arbeitsplätze. Neu-Wallmower machten sich selbstständig als Bio-Bauern, Bio-Gärtner, Drechsler. Es gibt einen Konsum, eine Gaststätte und weitere Vereine. Im Gemeindehaus gibt es eine Bibliothek mit 3000 Büchern. Zuzügler und Einheimische in dem Dorf fanden nicht sofort zueinander. „Doch mit den Jahren ist die Gemeinschaft eingespielt. Man achtet sich und redet miteinander“, sagt Rymas.

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