Land fühlt sich Künstlern verpflichtet:

Kunst am Bau sorgt immer mal wieder für Zündstoff

Für einen kulturellen Mehrwert reserviert Brandenburg bei allen öffentlichen Bauvorhaben Geld für Kunstwerke. Eines der größten Projekte wurde am Potsdamer Landtag realisiert. Es gibt aber nicht nur Befürworter.

Die Nachbildungen von Teilen des Schlosses Sanssouci im Hof des Landtags finden nicht alle gut.
Ralf Hirschberger Die Nachbildungen von Teilen des Schlosses Sanssouci im Hof des Landtags finden nicht alle gut.

Kunst am Bau ist in Brandenburg keine Ausnahme. Bei der Errichtung öffentlicher Bauten verwendet das Land einen prozentualen Anteil der Gesamtbaukosten für die künstlerische Aufwertung der Gebäude. Das bekannteste Beispiel: der neue Landtag im wiedererbauten Potsdamer Stadtschloss.

„Die Ausgaben für Kunst am Bau liegen bei den bisher durchgeführten Vorhaben zwischen 0,4 und 0,7 Prozent der Bauwerkskosten“, sagte die Sprecherin des Potsdamer Finanzministeriums, Ingrid Mattern. Nach Information des Finanzministeriums sind allein für Kunst am Bau beim Neubau des Bürokomplexes für das Sozial- und Umweltministerium in der Henning-von-Tresckow-Straße Mittel in Höhe von rund 300 000 Euro vorgesehen.

Künstlerische Ausgestaltung öffentlicher Gebäude bereits seit 1992

Für Bauaufgaben des Landes wurde seit 1992 regelmäßig auf künstlerische Ausgestaltung von Bauten für die Verwaltung, für Hochschulen und für Stiftungen des Landes Brandenburg geachtet, so Mattern. „Bei Baumaßnahmen des Landes sind Leistungen zur künstlerischen Ausgestaltung an bildende Künstler zu vergeben, soweit Zweck und Bedeutung der Baumaßnahmen dieses rechtfertigen“, heißt es unter anderem in den Bestimmun-
gen dazu. Darüber, welche Kunst am Bau letztlich umgesetzt werden kann, entscheidet eine Fachjury. Ihre Zusammensetzung variiert je nach Projekt. Es gibt Fach- und Sachpreisrichter – die einen entscheiden über die Kunst, die anderen über die Finanzen.

Das Urteil der Jury war auch für Annette Paul wichtig. Sie gab dem Neubau des Potsdamer Stadtschlosses und heutigen Landtags ihre künstlerische Note. Ihr Schriftzug „Ceci n‘est pas un château“, zu Deutsch „Die ist kein Schloss“, schmückt seit Herbst 2013 die Außenfassade des Neubaus. Es ist eine Anspielung auf das berühmte Gemälde des belgischen Malers René Magritte, das eine Pfeife abbildet, die laut Bilduntertitel jedoch gar keine ist. „Genauso wenig wie der Landtag ein Schloss ist“, bemerkt Paul. Ihr Kunstwerk komme gut bei den Potsdamern und Touristen an – auch bei den damaligen Gegnern des Schlossneubaus.

Annette Pauls Schriftzug ist nur ein Teil von Kunst am Bau am Potsdamer Stadtschloss, für die laut Finanzministerium insgesamt 480 000 Euro zur Verfügung standen. Umstrittener ist der Bau zweier Pavillons, die äußerlich an die Fassade von Schloss Sanssouci erinnern. Sie stammen vom Berliner Künstler Florian Dombois. „Ich wünsche mir, dass die Betrachter nicht darüber herfallen werden, sondern die vielen Fragen ernst nehmen. Es gibt für das Schloss und seinen Ort keine einfache Lösung“, so der Künstler.

Bei bedeutenden Baumaßnahmen gibt es in der Regel Wettbewerbe

Die Entscheidung über die künstlerische Ausgestaltung obliegt der Landesbauverwaltung (BLB). Sie muss im Vorfeld den mit der Planung beauftragten Architekten, den Nutzer und Kunstsachverständige daran beteiligen. „Bei bedeutenden Baumaßnahmen führen wir in der Regel Wettbewerbe durch“, sagt BLB-Sprecherin Christin Bargel. Bewerben könne sich dabei jeder Künstler.

Aktuell laufe ein Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des Informations- Kommunikations- und Medienzentrums der Universität Potsdam in Golm. „Entwürfe, die in die engere Auswahl gelangt sind, werden dort am 23. Oktober präsentiert“, kündigt Christin Bargel an. Eine Erfassung der Gesamtausgaben für Kunst am Bau gibt es für Brandenburg allerdings bislang nicht.

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