Richter erschüttert:

Lange Haftstrafe für Mord an 14-Jähriger

Eine Schülerin wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause mit 78 Messerstichen umgebracht. Ihr Chat-Freund wollte nicht wahrhaben, dass sie ihm eine Abfuhr gegeben hatte.

Alyssas schrecklicher Tod löste Ende 2013 in Eichwalde große Trauer aus.
Patrick Pleul Alyssas schrecklicher Tod löste Ende 2013 in Eichwalde große Trauer aus.

Als Alyssa im November 2013 von der Schule nach Hause ging, passierte das Unfassbare: 78 Mal stach ein junger Mann mit einem Messer auf die 14-Jährige ein. Sie verblutete. Ein Schulkamerad musste den brutalen Angriff mit ansehen. Der Täter war für die Schülerin aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) kein Unbekannter. Sie hatten sich übers Internet kennengelernt. Der damals 20-Jährige wollte mehr, Alyssa nicht. Als sie ihm klarmachte, dass es mit einer Liebesbeziehung nichts werden würde, plante er die Bluttat.

Davon sind die Richter am Cottbuser Landgericht überzeugt. Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilten sie den Angeklagten zu dreizehneinhalb Jahren Haft. Der junge Mann war zum Tatzeitpunkt Heranwachsender, das Gericht wendete deshalb Jugendstrafrecht an. Das verhängte Strafmaß liegt in der Nähe der Höchststrafe von 15 Jahren. Der Angeklagte gab die Tat zu, indem er über seinen Anwalt die Eltern der Getöteten um Entschuldigung bat. Das berücksichtigte das Gericht.

Letzter Messerstich extrem heftig

Der Vorsitzende Richter sagte, dass er eine solch „grausige Tat“ in seinem gesamten Richterleben noch nicht erlebt hätte. Der letzte Messerstich sei so heftig gewesen, dass das Messer den Körper durchdrang und im Erdreich stecken blieb. Der Mutter der Getöteten schossen im Verhandlungssaal die Tränen in die Augen. Der heute 21 Jahre alte Angeklagte nahm das Urteil regungslos auf. Er verhielt sich so, wie er es im Prozessverlauf immer tat: Er blickte nach unten.

Die Richter folgten der Einschätzung eines Sachverständigen, der dem jungen Mann eine Persönlichkeitsstörung attestierte. „Er konnte es nicht ertragen, dass jemand mit ihm Schluss macht“, sagte der Richter. Die Tat sei nicht im Affekt passiert, sondern sei auf die narzisstische Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen. So schwer, dass sie sich Schuld mindernd auswirken könnte, sei sie aber nicht, so der Richter.

Die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe sah das Gericht als erfüllt. Tage vor der Tat war der damals 20-Jährige zu Besuch bei Alyssa. Vater und Mutter sagten aus, dass ihre Tochter sich bedrängt gefühlt habe. Schließlich sei es dann zu einem klärenden Gespräch zwischen beiden gekommen.

Opfer bewusst getäuscht

Als Alyssa an ihrem Todestag morgens in die Schule fuhr, ging sie davon aus, dass der Chat-Bekannte wieder auf dem Weg in Richtung Köln war. Der Richter betonte, dass er sie bewusst in diesem Glauben ließ. Tatsächlich lauerte er ihr aber in einem Wäldchen auf.

Zunächst kam es laut Gericht zu einem Streit. Danach habe sich Alyssa zum Gehen umgedreht. „Für sie war die Angelegenheit erledigt“, sagte der Richter. Für den Täter nicht. Mit einer Bierflasche schlug er ihr mehrmals auf den Kopf. Dann zog er das Messer. Der Schulkamerad von Alyssa wollte eingreifen und wurde vom Täter an der Hand verletzt.

Eltern und Schulkamerad waren Nebenkläger. Dass der Prozess nun vorbei ist, sei für den Vater und die Mutter von Alyssa ein „erster Schritt“, sagt deren Anwalt. „Die Eltern können mit dem Urteil gut leben, aber auch nur mit dem Urteil.“

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