Zweijährige brutal misshandelt:

Lebenslange Haft für Mord an Kleinkind

Im ersten Prozess kam ein 27-Jähriger mit einer Strafe von zwölf Jahren davon, nachdem er die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin tödlich verletzt hatte. Der leibliche Vater forderte ein härteres Urteil – nun wurde es gesprochen.

Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist für den Angeklagten damit erschwert.
Patrick Pleul Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist für den Angeklagten damit erschwert.

Nach dem qualvollen Tod der kleinen Lilly aus Strausberg (Märkisch-Oderland) ist ein 27-Jähriger wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die dritte Strafkammer des Landgerichts Frankfurt/Oder stellte am Mittwoch im Revisionsverfahren gegen den ehemaligen Lebensgefährten der Mutter die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist damit erschwert. Der 27-Jährige hatte das knapp zwei Jahre alte Kind im Dezember 2013 eine Nacht lang schwer misshandelt und gequält. Die Kleine starb vier Tage später an ihren schweren Verletzungen.

Der Vorsitzende Richter Frank Tscheslog sagte in der Urteils-Begründung: „Der Angeklagte hat das Kind zum bloßen Opfer seiner Aggressionen gemacht, ohne das es dazu einen Anlass gab.“ Der Mann habe seinen Ärger über seine Lebenssituation an dem Kleinkind abreagiert. Das knapp zweijährige Mädchen lebte mit Bruder und Mutter im Haushalt des neuen Lebensgefährten in Strausberg.

Angeklagter gab der Mutter die Schuld

Lilly habe friedlich in ihrem Kinderbett geschlafen, als sie von dem Angeklagten geschüttelt und geschlagen worden sei. Der Mann habe das Kind mit dem Kopf gegen Schrank, Fußboden und Heizung gestoßen, gewürgt und mehrfach aus großer Höhe kopfüber fallen lassen. Später habe sich der damals 25-jährige Auszubildende auf den Bauch des am Boden liegenden Mädchens gestellt. Selbst als die Kleine kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben habe, habe er sie weiter misshandelt und der Mutter nicht erlaubt, ihrer Tochter zu Hilfe zu kommen.

Als die beiden am nächsten Tag mit der bewusstlosen Kleinen ins Krankenhaus fuhren, tischte der Mann den Ärzten Lügen zur Ursache der lebensgefährlichen Verletzungen auf und schob die Schuld auf Lillys Mutter, so das Gericht. „Auch dieses Nach-Tatverhalten des Angeklagten spricht für eine besondere Schwere seiner Schuld“, hieß es.

Bundesgerichtshof kippte erstes Urteil

„Für mich ist das jetzt verhängte ‚lebenslänglich‘ immer noch zu wenig. Doch was ist schon gerecht? Lilly wird davon nicht wieder lebendig“, sagte der leibliche Vater nach der Urteilsverkündung. Er war im ersten Verfahren vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) als Nebenkläger aufgetreten. Der Vater hatte sich nicht damit abfinden wollen, dass der 27-Jährige für die Tat nur zwölf Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags erhielt. Er ging mithilfe seines Anwalts in Revision. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Strafmaß des Urteils aus der ersten Instanz auf, verwies den Fall zurück an eine andere Kammer des Landgerichts Frankfurt – unter der Prämisse, dass der Tatbestand des Mordes aus niederen Beweggründen erfüllt ist. Eine geringere Strafe war im Revisionsverfahren also faktisch gar nicht möglich.

Die Verteidigung erklärte nach dem Urteil: „Wir prüfen eine Revision bezüglich der nunmehr festgestellten besonderen Schwere der Schuld“, sagte Rechtsanwalt Jens Mader. Um dies festzustellen, hätten ergänzende Feststellungen gemacht und zusätzliche Sachverständige gehört werden müssen.

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