Kritik am Schulunterricht:

Lernen Brandenburgs Kinder nicht mehr richtig schwimmen?

Sommer, Sonne – Baden: Was für viele zum Ferienspaß gehört, beherrschen nach Ansicht von Experten Schüler oftmals nicht. Die Schwimmmeister schlagen Alarm.

Unterricht im Wasser steht bereits in den Grundschulen auf dem Lehrplan.
Roland Weihrauch Unterricht im Wasser steht bereits in den Grundschulen auf dem Lehrplan.

Der Schwimmmeisterverband fordert intensiveren Schwimmunterricht für Brandenburger Kinder in der Grundschule. Viele seien nicht sicher im Wasser unterwegs, hieß es. Belastbare Zahlen hat der Verband allerdings nicht vorgelegt. Die Kinder müssten nach der Grundschule mindestens die Anforderungen des Schwimmabzeichens in Bronze erfüllen, erklärte der Landesvorsitzende Burghard Menke. Dafür müssen sie unter anderem 200 Meter in nicht mehr als 15 Minuten in einer Schwimmtechnik absolvieren können.

Das Brandenburger Bildungsministerium erklärt wiederum, für den Abschluss des Schwimm-Unterrichts sei es ausreichend, wenn Schüler nach der sechsten Klasse „sicher, ausdauernd und schnell in einer Technik und 25 Meter in einer zweiten Technik in Grobform schwimmen.“ Das geht aus einem Antwortschreiben des Potsdamer Ministeriums hervor.

Diese Vorgaben könnten aber alles oder nichts bedeuten. „Konkretes sieht anders aus“, kritisierte Martin Janssen, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). „Sicher schwimmen heißt dies aber nicht“, fügte er hinzu. Auch Menke betonte nachdrücklich: „Erst mit dem Erreichen des Schwimmabzeichens in Silber gehe ich von einer guten Schwimmfähigkeit aus.“

Das Bildungsministerium wehrt sich gegen die Kritik

Das Bildungsministerium weist die Kritik entschieden zurück. Man habe das geforderte Niveau bewusst mit „sicher, ausdauernd und schnell“ umrissen. „Damit gehen wir klar über das Bronze-Niveau in der Grundschule hinaus“, erklärte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Rund 95 Prozent der Schüler seien nach der vierten Klasse Schwimmer, betonte Breiding.

Menke beharrte auf seiner Kritik und verwies darauf, dass die motorische Lernfähigkeit der Kinder im Laufe der vergangenen Jahre erheblich abgenommen habe. Das habe vor allem mit dem veränderten Freizeitverhalten der Schüler zu tun, ist er überzeugt. „Die Kinder sitzen oft nur noch an den Videospiel-Konsolen oder gucken Fernsehen“, analysierte Berlin-Brandenburgs oberster Schwimmmeister.

Auch die Bädersituation sei im Land Brandenburg alles andere als gut, ergänzte er. Oft seien Schwimmbäder wegen Umbaus für längere Zeit geschlossen oder aus Kostengründen nur eingeschränkt geöffnet.

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