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Milchbauern skeptisch wegen EU-Geldregens

50 märkische Landwirte haben in diesem Jahr ihre Milchproduktion aufgegeben. Sie verdienen zu wenig an jedem Liter Milch. Jetzt können sie auf Hilfe hoffen – wenn sie weniger produzieren. Ob das eine Lösung für die Probleme ist?

Die Europäische Union will die produzierte Menge an Milch auf dem Markt senken.
Patrick Pleul Die Europäische Union will die produzierte Menge an Milch auf dem Markt senken.

EU-Geld für weniger Milch: In Reaktion auf den Preisverfall wollen knapp 150 Brandenburger Milchbauern bis Jahresende ihre Produktion drosseln und dafür EU-Hilfen in Anspruch nehmen. Sie stellten Anträge auf Beihilfen und sicherten zu, deutlich weniger Milch zu liefern, wie der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, auf Anfrage mitteilte. Insgesamt 21 000 Tonnen Milch aus Brandenburg sollen damit nicht mehr auf den Markt kommen.

Bundesweit wollen knapp 10 000 Milchbauern nach Angaben des Bundesagrarministeriums mit Hilfe der EU-Hilfe die Produktion zeitweise drosseln. Aus Brüssel werden dafür 150 Millionen Euro bereitgestellt.

Erträge sind nicht kostendeckend

Aus Sicht des Landesbauernverbandes ist die Hilfe nicht ausreichend. Sie löse die derzeitigen Liquiditätsprobleme der Milchbauern nicht. Die Erträge sind mit 20 bis 26 Cent pro Liter seit Langem im Keller. Um kostendeckend zu arbeiten, müssten es 26 Cent sein.

Aus dem EU-Programm gibt es pro Kilogramm nicht produzierte Milch auf Antrag 14 Cent. Zuständig für die Auszahlung sind die Länder. Die Anträge werden in Brandenburg derzeit beim Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung bearbeitet.

Bauernverband sieht Hilfe nur als "symbolischen Betrag"

Zum Vergleich wird die Milchproduktion im Vorjahreszeitraum herangezogen. Maximal 50 Prozent der Menge dieses Referenzzeitraumes dürfen für die Förderung herangezogen werden. Es müssen mindesten 1500 Kilogramm sein.

"Bei den Bauern werden keine Millionen eingehen, sondern bestenfalls symbolische Beträge", sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes. Reduziert nach Angaben des Verbandes ein Betrieb die Menge jetzt im letzten Quartal um 30 000 Liter, gibt es maximal 4200 Euro. Würde der Landwirt weiter produzieren, erhielte er trotz des geringen Milchpreises von 23 Cent pro Liter immer noch 6900 Euro für diese Menge.

Aufruf zu besserer Preispolitik

Wendorff appellierte an die Milchindustrie und den Einzelhandel, Preise anzubieten, mit denen die Landwirte nachhaltig wirtschaften könnten. Er forderte zudem eine von der Politik eingerichtete Risikovorsorge für die von Preisschwankungen betroffenen Landwirte.

Anträge durften Landwirte stellen, die bis Ende Juli Milch produzierten und an Molkereien abgegeben hatten. Direktvermarkter sind nicht dabei.

Insgesamt soll EU-weit die Gesamtliefermenge auf etwa eine Million Tonnen verringert werden. In Brandenburg ist die Zahl der Milchkühe mittlerweile auf 160 000 Tiere zurückgegangen – 2,5 Prozent weniger als vor einem halben Jahr.