Befürchtungen von Betrieben:

Mindestlohn könnte teure Folgen haben

In der Mark arbeiten jährlich Tausende Saisonkräfte. Das neue Gesetz könnte einigen Betrieben einen Strich durch die Rechnung machen, die auf diese Angestellten angewiesen sind.

Bis zu 6000 Saisonarbeitskräfte arbeiten zu Hochzeiten in Brandenubrg, vor allem bei der Spargel-, Obst- und Gurkenernte.
Patrick Pleul Bis zu 6000 Saisonarbeitskräfte arbeiten zu Hochzeiten in Brandenubrg, vor allem bei der Spargel-, Obst- und Gurkenernte.

Der ab 2015 geltende gesetzliche Mindestlohn könnte Branchen in Brandenburg, die auf Saisonarbeitskräfte setzen, teuer zu stehen kommen, wie eine Umfrage ergab. Mit Obst aus Ländern, in denen geringere Löhne gelten, könnten märkische Produkte dann preislich nicht mehr mithalten, sagte der Geschäftsführer des Landes-Gartenbauverbands (GVBB), Andreas Jende. Polen, Spanien, oder die Türkei hätten einen deutlich niedrigeren, Italien, keinen gesetzlichen Mindestlohn. Sie könnten Waren günstiger anbieten.

Der Mindestlohn wird nach Einschätzung Jendes unterschiedliche Folgen haben. Um Arbeitskosten zu senken, werde womöglich weiter automatisiert. Oder: „Kulturen, die sich unter diesen Bedingungen nicht mehr rentabel produzieren lassen, werden in Brandenburg nicht mehr angebaut.“ Viele Saisonarbeitskräfte kommen aus dem Ausland, vor allem aus Polen, Kroatien oder Rumänien. Der GVBB geht davon aus, dass zu Spitzenzeiten bis zu 6000 Saisonarbeitskräfte im Land arbeiten, vor allem bei der Spargel-, Obst- und Gurkenernte.

Einzelhandel ist kaum betroffen

Auch Schausteller erwarten negative Folgen. „Mit dem Mindestlohn werden sich die Preise für Karussellfahrten erhöhen, einige Schausteller werden ihr Geschäft auch ganz aufgeben“, sagt der Geschäftsführer des brandenburgischen Schaustellerverbands (BSV), Ron Affeldt. Hilfsarbeiter würden vor allem für den Auf- und Abbau der Buden gebraucht.

Auf geringfügig Beschäftigte greift ab der Vorweihnachtszeit der Einzelhandel zurück. „Das sind zum Teil Studenten oder Schüler“, sagt der Geschäftsführer des brandenburgischen Handelsverbands (HBB), Nils Busch-Petersen. Von ihnen verdiene aber kaum jemand weniger als zehn Euro pro Stunde. Auch der Onlineversandhändler Amazon zahlt Saisonkräften im Logistikzentrum in Brieselang eigenen Angaben zufolge mehr als den Mindestlohn. „Im zweiten Jahr erhalten sie ein Mindest-Grundgehalt von 10,47  Euro brutto pro Stunde, im ersten Jahr sind es 9,55  Euro brutto“, so eine Unternehmenssprecherin.

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