DGB weist Kritik der Arbeitgeber zurück:

Mindestlohn wird noch lange nicht überall gezahlt

Seit Jahresbeginn gibt es eine gesetzliche Lohnuntergrenze. In Brandenburg hakt es aber an einigen Stellen.

Seit Anfang Januar 2015 muss der Lohn bei mindestens 8,50 Euro pro Stunde liegen.

Gut drei Monate nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns gibt es aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Brandenburg noch viele Probleme. „Wir haben Branchen, in denen knubbelt es sich“, sagte die geschäftsführende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Dorothea Zinke. So erhielten vor allem ausländische Beschäftigte auf Baustellen nicht den Mindestlohn. „Es gibt Männer aus Osteuropa, die mit fünf oder sechs Euro oder auch ganz ohne Lohn nach Hause geschickt werden“, sagte Zinke. Allerdings gebe es auch Positivbeispiele, etwa den Cottbuser Kaufhof, die Fleischfabrik Eberswalde oder die Unternehmen der Deutschen Bahn, die zuvor teilweise weniger als 8,50 Euro pro Stunde gezahlt hätten, und nun den Mindestlohn bezahlten.

Vorwürfe von Unternehmensverbänden, wonach der Mindestlohn zu einer „Überbürokratisierung“ geführt habe, wies Zinke zurück. „In Deutschland gibt es seit über 20 Jahren eine Dokumentationspflicht für die Arbeitszeiten“, so Zinke. Es sei eine der „leichtesten Übungen, Beginn und Ende der Arbeitszeit aufzuschreiben.“

Der DGB will sich für Minijobber einsetzen

Der DGB werde deswegen Notizblöcke verteilen, auf denen gerade Minijobber ihre Arbeitszeit aufschreiben und sich per Unterschrift vom Vorgesetzten bestätigen lassen könnten. „Völlig aus der Luft gegriffen“ seien Beschwerden von Landwirten, wonach es durch den Mindestlohn für Erntehelfer zu einer massiven Verteuerung von Produkten wie Spargel oder Erdbeeren kommen könne. „Ein Pfund Spargel würde 30 Cent mehr kosten, wenn den Arbeitnehmern der Mindestlohn gezahlt würde“, so Zinke. „Und der größte Feind der Bäckereien ist nicht der Mindestlohn, es sind die Brotaufbackstationen.“

Arbeitnehmern, die von Tricksereien beim Mindestlohn betroffen sind, riet Zinke, mit der Gewerkschaft Kontakt aufzunehmen. „Wenn Ansprüche nicht relativ zügig geltend gemacht werden, verfallen sie.“

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