Ermittlungen gegen zwei Frauen:

Mutter von totem Säugling wieder frei

Die Staatsanwaltschaft ist mit der Entscheidung nicht einverstanden, will sich aber nicht dagegen wehren. Eine zweite Mutter, die ebenfalls ihren Jungen getötet hat, bleibt dagegen in Haft.

Zwei Mütter in Brandenburg haben ihre Jungen getötet, doch nur eine Frau bleibt weiter in Haft.
Felix Kästle Zwei Mütter in Brandenburg haben ihre Jungen getötet, doch nur eine Frau bleibt weiter in Haft.

Rund drei Wochen nach dem Fund eines toten Säuglings in Glindow (Potsdam-Mittelmark) ist die 34 Jahre alte Mutter wieder auf freiem Fuß. Der Haftbefehl sei außer Vollzug gesetzt worden, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. Das Amtsgericht Potsdam habe den Haftbefehl aus „Gründen der Verhältnismäßigkeit“ außer Vollzug gesetzt, weil auch ein minderschwerer Fall des Totschlags in Betracht komme. „Wir sehen die Entscheidung kritisch“, sagte die Sprecherin. Ihre Behörde habe jedoch auf das Einlegen von Rechtsmitteln verzichtet – wegen mangelnder Erfolgsaussichten.

Der tote Junge war – eingewickelt in ein Tuch – auf einem Kompostierer gefunden worden. Auf dem Grundstück leben die Beschuldigte und ihr Partner gemeinsam mit dessen Großeltern. Laut Polizei ist der Säugling erstickt worden. Die Mutter hatte sich gestellt und die Tat gestanden. Die Hintergründe sind laut Staatsanwaltschaft weiterhin unklar. Die Ermittler erhoffen sich bei der Motivsuche Hinweise durch das psychologische Gutachten.

Einen Tag nach dem grausigen Fund in Glindow hatte die Polizei in Brandenburg ein weiteres totes Neugeborenes entdeckt – in einem Mehrfamilienhaus in Golzow (Märkisch-Oderland). Auch die 21-jährige Mutter dieses Jungen hat den Ermittlern zufolge gestanden, ihren Sohn getötet zu haben. Die Frau, die bereits eine Tochter hat, nannte Überforderung als Motiv. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ist die 21-Jährige weiter in Untersuchungshaft.

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