Klage wegen Geschrei:

Nachbarn streiten über lärmende Hähne

Der Gockelstreit von Zitz: Ein Nachbar verlangt vom anderen, dass dessen Hähne nur noch zu bestimmten Zeiten krähen dürfen. Ein Richter drängt die Streithähne nun zu einer gütlichen Einigung.

Solche japanischen Chabo-Zwerghähne krähen jetzt auf dem Hof des Züchters Reno Nerling. Diese sollen leiser sein als die Antwerpener Bartzwerge, die er zuvor gehalten hatte.
Wolfgang_Kluge Solche japanischen Chabo-Zwerghähne krähen jetzt auf dem Hof des Züchters Reno Nerling. Diese sollen leiser sein als die Antwerpener Bartzwerge, die er zuvor gehalten hatte.

Das Krähen eines Hahns ist Alltag auf dem Land. Oder nicht? Seit Jahren streiten sich zwei Nachbarn im Dörfchen Zitz in Brandenburg darum, wie laut das Krähen der Hähne sein darf. Mittlerweile kommunizieren die Streithähne nur noch über ihre Anwälte, der Nachbar des Hobby-Geflügelzüchters klagte nun gar, weil er gesundheitliche Schäden wegen des Geschreis fürchtet. Einem Richter des Amtsgerichts Brandenburg/Havel reicht es jetzt – er schickt beide Parteien an den Verhandlungstisch.

„Das Gesetz erlaubt eine Güteverhandlung. Die hier getroffenen Kompromisse sind tragfähiger, als wenn ein Gericht entscheidet“, sagt Richter Torsten Bönig am Montag. Nur so lasse sich der Dorffrieden in Zitz wiederherstellen.

Ein Präzedenzfall könnte geschaffen werden

Alles andere dauere. Denn: In einem Gerichtsverfahren müsse Grundsätzliches geklärt werden, gibt Bönig zu bedenken. „Ist Krähen auf einem Dorf zu dulden? Wenn ja, was ist ortsüblich? Wie oft dürfen Hähne überhaupt krähen?“ Zudem könne ein Präzedenzfall geschaffen werden, der ungeahnte Folgen nach sich zöge. Außerdem gehe erfahrungsgemäß nach einem Urteil mindestens eine Partei gegen die Entscheidung juristisch vor.

Nur zähneknirschend willigt Kläger Hans-Wilhelm Geue ein. Sein Anwalt pocht vor Gericht darauf, dass über die Zahl der gehaltenen Hähne, über einen Zeitplan, wann und wie viele Hähne gleichzeitig krähen dürfen, sowie über Schallschutzmaßnahmen gesprochen werden müsse.

Sofort die juristische Keule ausgepackt

Geflügelzüchter Reno Nerling sagt, dass er schon immer kompromissbereit gewesen sei. „Herr Geue hat nur nie mit mir gesprochen. Er hat sofort die juristische Keule ausgepackt“, sagt der 36-Jährige. „Er will, dass meine Hühner nicht lauter als 55 Dezibel sind. Da ist jedes Auto, das auf dem Kopfsteinpflaster an seinem Haus vorbeifährt, lauter.“

Um die Lage zu entschärfen, habe Nerling in der Zwischenzeit die Hähne gegen eine Rasse eingetauscht, die leiser krähe, und einige technische Änderungen vorgenommen. Der Gütetermin soll für November angesetzt werden. Scheitert er, geht der Fall zurück an das Gericht.

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