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Naturschutz ist kein Luxus

Die Direktkandidaten für den Bundestag vorgestellt: Die 35-jährige Sarah Polzer-Storek tritt zum zweiten Mal im Wahlkreis Uckermark-Nordbarnim für Bündnis 90/Die Grünen an.

Sarah Polzer-Storek (35) aus Bölkendorf bei Angermünde kandidiert für Bündnis 90/Die Grünen für den Bundestag.
Oliver Spitza Sarah Polzer-Storek (35) aus Bölkendorf bei Angermünde kandidiert für Bündnis 90/Die Grünen für den Bundestag.

„Das Leben kam dazwischen“, sagt Sarah Polzer-Storek auf die Frage, warum sie ihren Traumberuf „verpasst“ hat. Geboren wurde sie in Frankfurt/Main, doch 1993 verschlug es die damals 15-Jährige in den Osten. Die Mutter ist Professorin in Erfurt, der Vater baute in Eberswalde eine Immobilienfirma auf. Am Angermünder Einstein-Gymnasium machte Sarah ihr Abitur und wollte Ärztin werden. Stattdessen studierte sie an der Freien Universität in Berlin südosteuropäische Geschichte, spezialisiert auf das ehemalige Jugoslawien. Mit ihren Mann und dem ersten Kind war sie bereits in Bosnien, wollte dort für Regierungsorganisationen arbeiten.Doch als ihr Mann Arbeit im Sozialbereich „auf dem Lande“ bekam, erhielt auch Sarahs Leben eine neue Wendung. Heute wohnt sie in Großfamilie (drei weitere Kinder folgten) auf einem Vier-Seiten-Hof in Bölkendorf in der Nähe des Parsteiner Sees und ist Immobilienmaklerin.

2009 übernahm sie die Geschäftsführung der väterlichen Firma. Und ist glücklich. „Wir wollen hier nicht mehr weg. Die Uckermark ist ein Traum, die Natur Balsam für die Seele. Ich könnte in keiner Großstadt mehr leben“, sagt die 35-Jährige. Zudem sei Berlin nur ein Katzensprung entfernt, falls man Kultur erleben will. Oder Politik. Denn Sarah Polzer-Storek kandidiert zum zweiten Mal für den Bundestag. Natürlich wird sie nicht das Direktmandat gewinnen, das weiß sie. 2009 bekam sie 4386 Erststimmen, das waren 4,3 Prozent. Aber davon lässt sich die engagierte Frau nicht entmutigen: „Ich mache es aus reiner Leidenschaft und bin auch nicht durch einen Listenplatz abgesichert.“Sie wolle mit ihrem Wahlergebnis dazu beitragen, dass mindestens zwei Brandenburger Grüne den Sprung in den Bundestag schaffen.

Deshalb sieht man Sarah Polzer-Storek auch von keinem Plakat lächeln. „Wir machen Zweitstimmenwahlkampf. Auf unseren Plakaten stehen klare Aussagen.“ Viel Arbeit für die Wahl-Uckermärkerin, die sich aber ein Leben ohne Politik nicht vorstellen könnte.„Ich komme aus einer sehr politischen Familie, meine Eltern waren leidenschaftliche Jusos und schleppten mich schon als Baby und Kleinkind auf jede SPD-Demo mit.“

Als sie später darüber nachdachte, welche Partei am ehesten zu ihr passen würde, entschied sie sich für die Grünen. Warum kommen gerade die Grünen in der Uckermark auf keinen grünen Zweig? „Ich weiß es nicht. Vielleicht weiß ein Außenstehender die Natur hier mehr zu schätzen. Vielleicht ist diese tolle Landschaft für die Einheimischen schon Gewohnheit. Und viele haben mit anderen Problemen zu kämpfen“, sagt Sarah Polzer-Storek mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit, die Abwanderung der Jugend, den fehlenden Aufschwung. „Doch Naturschutz ist kein Luxus, der Mensch kann nur in einer intakten Umwelt leben und überleben.“ Die Lage zwischen den beiden Metropolen Berlin und Stettin müsse man auch als Chance begreifen. „Wir haben den Luxus, dass wir Platz haben in der Uckermark.“Seit 2005 engagiert sie sich im Kreisverband der Grünen, ein Jahr später wurde sie deren Sprecherin und füllte diese Aufgabe sieben Jahre aus.

35 Mitglieder haben die Grünen derzeit in der Uckermark. „Wir waren schon mal mehr. Aber es wird schon“, gibt sich die Politikerin kämpferisch. Als Unternehmerin mit Leidenschaft für alte Gemäuer engagiert sie sich für Kultur und Kunst. In der zum Gewerbepark umgewidmeten ehemaligen Rohrfabrik in Finow hat sie eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. „Ich will damit auch andere Menschen ermutigen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das ist wichtig, um sich Gehör zu verschaffen.“