Verbindung über die Neiße:

Neue Brücke nach Polen weckt Ängste

Der Landkreis Oder-Spree hat erstmals eine direkte Straße zum polnischen Nachbarn. Die Verbindung über den Grenzfluss sorgt aber auch für Unmut.

Viele Anwohner lehnen den Bau ab. Sie fürchten einen weiteren Anstieg der Grenzkriminalität.
Patrick Pleul Viele Anwohner lehnen den Bau ab. Sie fürchten einen weiteren Anstieg der Grenzkriminalität.

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg verbindet eine Brücke über die
Neiße wieder die Orte Coschen (Brandenburg) und Zytowan (Polen). Am Montag wurde das rund 100 Meter lange Bauwerk offiziell übergeben. Bisher mussten Einwohner beider Orte Umwege zu anderen Grenzbrücken in Kauf nehmen. Die nächste Möglichkeit bietet sich am früheren Grenzübergang Guben-Gubin. Es hatte schon früher an der Stelle eine Brücke gegeben, aber diese war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die neue Brücke ist nun die erste Verbindung zwischen dem Landkreis Oder-Spree und Polen.

Mit einem Plakat machte ein Demonstrant darauf aufmerksam, dass die Brücke auch Straftätern den direkten Weg in die Grenzregion öffne. Der Landrat von Oder-Spree, Manfred Zalenga (parteilos), sagte in seiner Ansprache: „Wir werden die Kriminalität nicht bekämpfen, in dem wir keine Brücken bauen.“ Seit dem Fortfall der Kontrollen direkt an den Grenzübergängen hat sich in der Grenzregion die Kriminalität drastisch erhöht.

Baukosten von rund 5,5 Millionen Euro

Die Brücke ist für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht ausgelegt. Auf ihr gibt es auch Rad- und Gehwege. Das Projekt kostete rund 5,5 Millionen Euro und wurde zu 85 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert. Die restlichen Kosten übernahmen die beiden Grenzkreise – Oder-Spree beispielsweise gut 630 000 Euro. Die Brücke solle vor allem eine Verbindung für die Bewohner der kleineren Ortschaften in der deutsch-polnischen Grenzregion sein, sagte ein Kreissprecher. Landrat Zalenga betonte, er gehe davon aus, dass der neue Verkehrsweg angenommen wird.

Unternehmen aus Brandenburg und Sachsen bauten die Brücke. Die Brückenbögen sollen Flusswellen darstellen. Grundlage für das Bauwerk ist ein deutsch-polnisches Regierungsabkommen aus dem Jahr 2000.