Haasenburg:

Neuer Misshandlungsvorwurf gegen Heim!

Es klingt unglaublich: In einer Einrichtung der Haasenburg soll wieder ein Mädchen misshandelt worden sein. Das zuständige Jugendamt hat von der bereits angekündigten Schließung der Heime wegen schwerer Missstände nichts gewusst.

In einem der umstrittenen Kinder- und Jugendheime soll ein Mädchen krankenhausreif misshandelt worden sein.
Patrick Pleul In einem der umstrittenen Kinder- und Jugendheime soll ein Mädchen krankenhausreif misshandelt worden sein.

Das Brandenburger Jugendministerium prüft neue Vorwürfe gegen die umstrittenen Haasenburg-Heime. In der Einrichtung in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) soll eine Ausreißerin am vergangenen Donnerstag von zwei Betreuern so misshandelt worden sein, dass sie anschließend mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden musste. Das hatte der Landtagsabgeordnete Torsten Krause (Linke) berichtet. „Wir gehen diesen Vorwürfen nach“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Vom Heimbetreiber war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Laut Krause hatte das zuständige Jugendamt im thüringischen Altenburg die Rückführung des Mädchens angeordnet, obwohl Brandenburgs Ministerin Martina Münch (SPD) am Tag zuvor wegen schwerer Missstände die Schließung der Haasenburg-Heime angekündigt hatte. In dem aktuellen Fall hätten das Jugendamt und Haasenburg-Mitarbeiter versagt. Das Landratsamt Altenburger Land wehrte sich gegen die Kritik: Das Jugendamt habe keine Kenntnis von der bevorstehenden Schließung der Heime gehabt.

In den Heimen haben Jugendämter aus ganz Deutschland schwer erziehbare Kinder und Jugendliche untergebracht. Nach Angaben von Breiding hat das Ministerium nur einen Teil der Jugendämter, die Jugendliche in die Haasenburg-Heime geschickt hatten, über die bevorstehende Schließung informieren können. „Wir haben den Heimbetreiber aufgefordert, uns die betreffenden Ämter zu nennen – dem ist er aber nur zum Teil nachgekommen.“

Eine Untersuchungskommission hatte in den Heimen der Haasenburg GmbH schwere Missstände festgestellt. Der Vorsitzende der Kommission, Martin Hoffmann, sprach von „härtesten“ Erziehungsmethoden wie in den 1950er Jahren. Daraufhin hatte Münch vergangene Woche die Schließung der Heime angekündigt. Der Betreiber will sich juristisch dagegen wehren.

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