Mehr Zuwanderung von Neu-Brandenburgern:

Niedrige Zinsen feuern Nachfrage nach Bauland an

Brandenburgs Baulandpreise sind auch im vergangenen Jahr gestiegen. Besonders tief mussten Häuslebauer in den Gemeinden nahe Berlin in die Tasche greifen. Makler rechnen mit einem anhaltenden Trend.

Im Berliner Umland stiegen die Bodenpreise für Wohnbauland im vergangenen Jahr laut Grundstücksmarktbericht um bis zu 18 Prozent.
Bernd Wüstneck Im Berliner Umland stiegen die Bodenpreise für Wohnbauland im vergangenen Jahr laut Grundstücksmarktbericht um bis zu 18 Prozent.

Bei Bauland für Mehrfamilienhäuser gehen die Preise in Brandenburg durch die Decke. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen für 2015 stiegen die Werte für solche Grundstücke landesweit im Vorjahresvergleich um fast 50 Prozent auf 96 Euro pro Quadratmeter. In Potsdam sieht es noch drastischer aus, dort waren es sogar mehr als 80 Prozent Zunahme auf 511 Euro pro Quadratmeter. Die Preise stehen im Brandenburger Grundstücksmarktbericht 2015, der bislang erst in Auszügen veröffentlicht ist. Vergleichsweise moderat entwickelten sich dagegen die Preise bei Bauland für Einfamilienhäuser. Sie kletterten im Schnitt landesweit um 6 Prozent auf 80 Euro je Quadratmeter

„Die Nachfrage nach Bauland ist auch in den berlinfernen Landkreisen noch immer größer als das Angebot“, sagte der Chef des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Jürgen Kuse. Eine Ausnahme bildeten lediglich dörfliche Regionen.  

Bis vor zwei Jahren ging Brandenburgs Einwohnerzahl zurück. 2014 gab es erstmals seit der Wende wieder ein kleines Plus von etwa 8700 Menschen, das sich im vergangenen Jahr vor allem durch Flüchtlinge auf knapp 27 000 verdreifachte. Ob die Zuwanderung von Neu-Brandenburgern andauert, ist ungewiss.

Aufgabe Nummer eins: Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern

Die vor Jahren von der Landesregierung aufgestellten Prognosen gehen für Brandenburg bis 2040 von einem Bevölkerungsrückgang um etwa elf Prozent aus. Einen Zuwachs wird es danach lediglich in der Landeshauptstadt Potsdam, in kleineren Gemeinden im Speckgürtel um Berlin und im Landkreis Dahme-Spreewald geben.

Etliche Kommunen versuchen, ihre Einwohnerzahl zumindest zu stabilisieren. Aufgabe Nummer eins ist es dabei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Vorrang hat die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, Dienstleistungen und Tourismus, um Arbeitsplätze zu schaffen. Auch das Wohnumfeld mit günstigen Mieten, Eigenheimen, Bildung, Kultur, Schulen, Kindertagesstätten und schnellen Verkehrsanbindungen an die Metropolen spielt eine Rolle. Das Land fördert dafür unter anderem den Kauf von Alt-Immobilien, dauerhaft leerstehende Wohnhäuser sollen zurückgebaut werden.

Auch in anderen berlinfernen Regionen ist Bauland noch relativ günstig zu bekommen. Eine Gefahr, dass dadurch ein Immobilienboom ausgelöst werden könnte, der später in einem Leerstand mündet, sieht Gutachterchef Kuse nicht. „Auch in solchen Regionen wird es, wenn auch auf kleiner Flamme, immer eine Nachfrage geben“, ist er überzeugt.

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