Nach Feuer vor Flüchtlingswohnung:

Noch kein Hinweis auf die Täter

Eine Einwandererfamilie hatte viel Glück im Unglück und konnte den Brand vor ihrer Wohnung selbst löschen. Wegen des Anschlags ermittelt inzwischen der Staatsschutz.

Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Der Staatsschutz geht politischen Hintergründen nach.
Ralf Hirschberger Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Der Staatsschutz geht politischen Hintergründen nach.

Nach einer Brandattacke auf die Wohnung einer Flüchtlingsfamilie in Brandenburg/Havel gibt es weiter keine Hinweise auf Täter und Motiv. „Einen fremdenfeindlichen Hintergrund können wir nicht ausschließen“, sagte eine Polizeisprecherin. Der Staatsschutz ermittele. Er ist für mutmaßlich politisch motivierte Taten zuständig. Die Polizei untersucht den Fall wegen schwerer Brandstiftung.

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) und das Innenministerium verurteilten den mutmaßlichen Brandanschlag. Das städtische Wohnungsunternehmen, das die Wohnung vermietet, stellte Strafanzeige gegen unbekannt.

Polizei untersucht Brandsubstanzen

Vor der Wohnungstür der fünfköpfigen Familie sollen Unbekannte am Sonnabendabend eine Zeitung angezündet haben. „Wir haben Reste von einer Substanz gefunden“, sagte die Polizeisprecherin. Jetzt werde untersucht, ob es sich dabei um Brandbeschleuniger gehandelt habe. Der Familienvater konnte das Feuer selbst mit Wasser löschen. Die Tür wurde durch den Brand allerdings beschädigt. Verletzt wurde aber niemand.

Die betroffene Familie stammt aus dem Nordkaukasus und lebt schon seit Längerem in der Stadt. Das Ehepaar im Alter von 24 und 27 Jahren hat drei kleine Kinder, die zwischen zwei und fünf Jahren alt sind. In dem Mehrfamilienhaus wohnen insgesamt elf Mietparteien. Nach ersten Ermittlungen gelangten die Täter durch den offenen Hauseingang in das Gebäude. Die Haustür war offenbar nicht verschlossen. In Brandenburg/Havel leben nach Angaben der Stadt insgesamt etwa 350 Asylbewerber und Flüchtlinge.

Oberbürgermeisterin verurteilt Anschlag

Oberbürgermeisterin Tiemann sagte: „Es ist für mich nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die unserer Hilfe bedürfen, um Leib und Leben fürchten müssen.“ Innenstaatssekretär Matthias Kahl betonte: „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst.“ Ungeachtet des noch unklaren Hintergrundes gelte: „Ausländer und Flüchtlinge sollen in unserem Land sicher leben können.“ Hass und Gewalt gegen ausländische Mitbürger seien vollkommen inakzeptabel, erklärte Kahl.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Potsdamer Landtag, Andrea Johlige, erklärte nach dem Vorfall, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Land müssten verstärkt bekämpft werden.