Weit ab der Hauptstadt kaum Preissteigerungen:

Nur rund um Berlin sind Häuser schon richtig teuer

Auf dem platten Land in Brandenburg ist der Traum vom Eigenheim noch erfüllbar. Nahe der Hauptstadt sieht es ganz anders aus.

Die Preise für sanierte Altbauten in Potsdam – wie hier in der Charlottenstraße – explodieren geradezu.
Jens Kaläne Die Preise für sanierte Altbauten in Potsdam – wie hier in der Charlottenstraße – explodieren geradezu.

Der Brandenburger Immobilienmarkt bleibt in puncto Nachfrage und Preise weiter zweigeteilt. Objekte in Potsdam und rund um Berlin seien teuer und begehrt, sagte Innenminister Ralf Holzschuher (SPD). Weiter entfernte Regionen seien dagegen nicht so gefragt, die Preise zögen aber an – im bundesweiten Vergleich jedoch auf niedrigem Niveau. 2013 erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um etwa 9 Prozent auf etwa 3,4 Milliarden Euro. Im Durchschnitt kostete ein Einfamilienhaus 153 000 Euro, in Berlin etwa 215 000 Euro, abseits der Bundeshauptstadt rund 95 000 Euro.

Vorgestellt wurde der jährliche Grundstücksmarktbericht des Oberen Gutachterausschusses für Grundstückswerte, dessen Mitglieder vom Innenministerium berufen werden. Bundesweit gibt es 1380 solcher Gremien. Der Vorsitzende des Brandenburger Ausschusses, Jürgen Kruse, betonte, von einer Immobilienblase könne nicht die Rede sein. Ausländische Investoren, Kapitalanleger oder Käufer aus Spanien oder Griechenland drängten nicht auf den Markt.

Nach der Studie „Wohneigentum 2014“ der Postbank werden vor allem für Metropolen wie Berlin steigende Preise prognostiziert. Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Thüringens und Mecklenburg-Vorpommerns kämpfen gegen rückläufige Bevölkerungszahlen. Dadurch würden Immobilien an Wert einbüßen. Für Bauland mussten im Berliner Umland durchschnittlich 96 Euro je Quadratmeter (2012: 79 Euro) und in den anderen Landesteilen 36 Euro (2012: 33) gezahlt werden. Bei Eigentumswohnungen waren es je Quadratmeter 2614 Euro, zehn Prozent mehr als 2012. Für Ein- oder Zweifamilienhäuser musste am tiefsten in Potsdam mit durchschnittlich 342 500 Euro in die Tasche gegriffen werden.

Viele Brandenburger Regionen für Berliner noch nicht so attraktiv

Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher, betonte, die Erkenntnisse über den Grundstücksmarkt, über Umsätze, Preisentwicklungen, Käufer und regionale Besonderheiten böten wichtige Ansätze für die Entwicklung der Regionen. Künftige Anforderungen an den Landesentwicklungsplan könnten festgeschrieben werden. „Für Berliner müssen auch die Brandenburger Regionen als Wohnort attraktiv werden“, sagte Böttcher.

In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Nachfrage verstärkt, stellte der stellvertretende Vorsitzende des Immobilienverbandes Deutschland IVD für die Region Berlin-Brandenburg, Klaus Hummel, fest. Es sei aber falsch, dies nur mit der Flucht in „Betongold“ wegen der niedrigen Zinsen zu begründen. „Die Einstellung zum selbst genutzten Eigentum hat sich verändert.“ Grund sei die gestiegene Nachfrage nach Mietwohnungen bei gleichzeitiger Steigerung der Mieten.

Eine Ausnahme im Brandenburger Immobilienmarkt ist Potsdam: Hier sind die Preise seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile leben 160 000 Menschen in der Landeshauptstadt, 2020 sollen es gar 170 000 sein.

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