Vergiftungen:

Pilzsammler lassen Leitungen beim Notruf glühen

Sie heißen Kuhmaul, Ziegenlippe oder Judasohr: Die Wälder in Berlin und Brandenburg haben weit mehr zu bieten als Steinpilze und Maronen. Sammlern wird die große Auswahl allerdings auch immer wieder zum Verhängnis.

Pilze sehen lecker aus, können aber gefährlich sein. In Brandenburg gibt es derzeit viele Vergiftungsfälle.
Patrick Pleul Pilze sehen lecker aus, können aber gefährlich sein. In Brandenburg gibt es derzeit viele Vergiftungsfälle.

Beim Giftnotruf der Charité häufen sich derzeit wieder Anfragen von Pilzsammlern aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundesländern. „Viele Leute sind zu unvorsichtig und stellen sich oft erst nach dem Essen die Frage, ob nicht auch giftige Pilze dabei waren“, sagte die kommissarische Leiterin Daniela Acquarone. Bei den Experten melden sich demnach immer wieder unerfahrene Pilzsammler, die über Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen klagen. Todesfälle seien – auch aus den vergangenen Jahren – nicht bekannt, jedoch schwere Vergiftungen.

Wegen des günstigen Wetters rechnet die Toxikologin in diesem Jahr wieder mit deutlich mehr Anrufen als in den beiden Vorjahren. „Im Schnitt haben wir in jeder Saison etwa 400 Anfragen. 2010 gab es mehr als 550 Anrufe. In diesem Jahr könnten es wieder so viele werden.“

Im Allgemeinen verlaufen die Erkrankungen der Ärztin zufolge eher leicht. „Doch die Alarmglocken klingeln, wenn erst mehrere Stunden nach dem Pilzverzehr massives Erbrechen und Durchfall auftreten. Dann sollte man sofort eine Klinik aufsuchen.“ In solchen Fällen handele es sich oft um Vergiftungen mit amanitinhaltigen Pilzen wie etwa den Grünen Knollenblätterpilzen.

„Diese Pilze sind tödlich giftig und können mit Champignons oder dem Grünen Täubling verwechselt werden“, sagte der Vorsitzende des Brandenburgischen Landesverbands der Pilzsachverständigen, Wolfgang Bivour. 2010 hatten sich mehrere Pilzsammler aus Berlin und Brandenburg damit vergiftet.

Unüberschaubare Vielfalt

Verwechslungsgefahr bestehe auch zwischen dem essbaren Perlpilz und dem giftigen Pantherpilz. Letzterer sei in der DDR auch Sachsentöter genannt worden. „Vor allem Touristen aus Sachsen vergifteten sich mit dem Pantherpilz, weil sie ihn aus ihrer Region nicht kannten“, berichtete Bivour.

„Wir empfehlen Leuten, die sich mit Pilzen nicht auskennen, nur im Geschäft gekaufte Pilze zu essen“, betonte Acquarone. Mit Büchern oder Pilz-Apps für Smartphones Arten zu bestimmen, hält sie bei Laien für zu gefährlich.

Die Auswahl an Pilzen ist kaum überschaubar. Laut Potsdamer Umweltministerium gibt es in Brandenburg etwa 2500 Großpilzarten. Als relativ leicht bestimmbar gelten etwa 40. Etwa 60 Arten werden als „ernst zu nehmende Giftpilze“ eingestuft.

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