Kritik an Richter:

Prozess gegen Drahtzieher der „Pillen-Bande“ geplatzt

Eine Bande verkaufte im Internet gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel in riesigen Mengen – und nahm Millionen damit ein. Jetzt steht der mutmaßliche Bandenchef vor Gericht. Aber nicht lange.

Das Gericht prüft, wie es nach dem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter weiter verfährt.
Robert Schlesinger Das Gericht prüft, wie es nach dem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter weiter verfährt.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Chef der „Pillen-Bande“ und vier Komplizen hat nur wenige Minuten gedauert. Kurz nach Beginn wurde er am Freitag unterbrochen. Er geht am 18. Dezember am Landgericht Potsdam weiter. Grund ist ein Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Andreas Dielitz. Unter anderem kritisiert die Verteidigung, dass er sich in einem Parallelverfahren abschätzig gegenüber Bandenmitgliedern geäußert und sie als „kriminellen Haufen“ bezeichnet habe.

Außerdem sei Dielitz nicht mehr unvoreingenommen, weil er in zwei weiteren Verfahren gegen andere Bandenmitglieder sich bereits eine Meinung gebildet habe, erklärte ein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft wies den Antrag zurück. Das Gericht prüft jetzt die Vorbehalte.

21 Millionen Euro ergaunert

Dem 45-jährigen mutmaßlichen Banden-Chef und seinen Komplizen werden unter anderem gewerbsmäßiger Betrug, die Bildung einer kriminellen Vereinigung und bandenmäßiger Schmuggel vorgeworfen. Die Angeklagten sollen für weit mehr als 21 Millionen Euro gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel über das Internet verkauft haben. Das Gericht hat bereits einige Täter verurteilt, andere müssen sich in weiteren Prozessen verantworten.