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Schwedter Blutspende-Zentrale schließt endgültig

Die Blutspender in der Oderstadt stehen unter Schock. Künftig gibt es keine Spendensammelstelle mehr vor Ort.

Joachim Witte hat seit 1996 insgesamt 80 Mal Blut bei Plusblut in Schwedt gespendet.
Matthias Bruck Joachim Witte hat seit 1996 insgesamt 80 Mal Blut bei Plusblut in Schwedt gespendet.

Am Montag war der letzte Tag, an dem das Blutspenden in Schwedt noch möglich war. Heute fährt das Schwedter Team noch einmal nach Eberswalde und lädt im Paul-Wunderlich-Haus zur Blutspende ein. Die sieben Mitarbeiterinnen der Blutspende-Zentrale wissen es seit dem 13. Oktober, dass die Plusblut GmbH ihre Tätigkeit einstellt und sie in die Arbeitslosigkeit gehen müssen. „Wirtschaftliche Gründe wurden uns genannt“, sagte Mitarbeiterin Gundula Heyder. Sie arbeitete 44 Jahre in dieser Blutspende-Zentrale, erlebte, wie diese unter Leitung der legendären Ärztin und späteren Grünen-Politikerin Rotraut Gille aufgebaut wurde. „Sie glauben gar nicht, wie mir das hier an die Nieren geht“, sagte sie.

Auch die Blutspender, die am letzten Tag noch einmal in großer Zahl kamen, zogen lange Gesichter. „Ich finde es sehr, sehr traurig“, sagte Joachim Witte. „Und ich weiß nun gar nicht, wo ich noch Blut spenden kann.“ Joachim Witte ist seit 1996 Blutspender. Am Montag gab er seine 80. Blutspende ab und erhielt dafür eine Flasche Wein von Heyder. „Geben Sie mir eine Flasche Süßen“, sagte er.

Wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend

Der ärztliche Leiter der Plusblut GmbH, Beda Krieter, führte ebenfalls wirtschaftliche Gründe für die Schließung ins Feld. „Wir waren eine Tochter der Immanuel-Diakonie und unsere Mutter hat seit Jahren Geld zuschießen müssen, weil die Firma nicht rentabel arbeitete.“, sagte er. Mit ungewöhnlichen Blutspendeaktionen, beispielsweise einer Vampirnacht an den Uckermärkischen Bühnen oder der Blutsbrudertour, bei der Biker Blut spendeten, hatte die Firma noch versucht, neue Blutspender zu erreichen. Die Veranstaltungen waren auch große Erfolge. „Insgesamt reichten die Erträge aber nicht aus, um rentabel zu werden. Die Einnahmen waren zu niedrig, die Kosten zu hoch“, konstatierte Krieter.

Die Schwedter BlutspendeZentrale war nach der Wende schon einmal von der Schließung bedroht. Damals hatte das DRK die Einrichtung, die zu DDR-Zeiten zum städtischen Krankenhaus gehörte, übernommen und wollte dichtmachen.

Damals hatte Rotraut Gille massive Proteste organisiert. Mit Erfolg, die Schließung konnte abgewehrt werden. Diesmal gibt es keine Massenproteste. Aber immerhin bleibt den Blutspendern die Hoffnung, dass künftig andere Blutspendedienste mobil nach Schwedt kommen, um Blut einzusammeln. Krieter ist optimistisch, ihnen schon am 13. Dezember einen neuen Ansprechpartner nennen zu können. An diesem Tag lädt die Plusblut GmbH letztmals zu ihrer jährlichen Dankeschön-Veranstaltung ein.