Prozess im Prostituierten-Milieu:

Straßen-Strich ist die Erpresser vorerst los

„Standgeld“ wird gefordert und Vertreibung angedroht. Prostituierte zahlen aus Angst. In Berlin stehen nun vier Männer vor Gericht, die Frauen auf dem Berliner Straßenstrich erpresst haben sollen.

Mehrere Männer stehen vor Gericht, weil sie Frauen auf den Strich geschickt haben.
Boris Roessler Mehrere Männer stehen vor Gericht, weil sie Frauen auf den Strich geschickt haben.

Der Mann gilt als ein selbst ernannter „Chef der Straße“: Ein 46-Jähriger ist Hauptangeklagter in einem Prozess um mutmaßliche Erpressung auf dem Straßenstrich in Berlin-Schöneberg. Der gelernte Hotelfachmann soll laut Anklage von Prostituierten auf der Bülowstraße wöchentlich „Standgelder“ von 120 Euro gefordert beziehungsweise Komplizen beauftragt haben, das Geld einzutreiben. Drei Männer sind vor dem Landgericht mitangeklagt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass drei der Angeklagten gewerbsmäßig und als Bande handelten – in insgesamt 16 Fällen in der Zeit von September 2014 bis November 2015. Ein 24-Jähriger ist wegen Beihilfe angeklagt. Im Dezember waren die Verdächtigen verhaftet worden.

Hauptangeklagter muss nicht in U-Haft

Zwei Tage vor Prozessbeginn wurden nun drei von ihnen – darunter der Hauptangeklagte – durch das Kammergericht der Hauptstadt von weiterer Untersuchungshaft verschont. Meldeauflagen seien ausreichend, beschlossen die Richter.

Die in der Anklage genannten Opfer stammen aus Tschechien, Ungarn und Rumänien. „Das Standgeld mussten die Prostituierten und deren Zuhälter jeweils freitags oder samstags entrichten“, heißt es in der Anklage. Für das Eintreiben des Geldes habe der 46-Jährige zwei 36- und 42-jährige Mitangeklagte eingesetzt.

Der Anklage zufolge soll eine 20-Jährige, die keine 120 Euro zahlen wollte, massiv eingeschüchtert worden sein. Zwei der Angeschuldigten hätten „sechs bis sieben Männer“ geschickt, die die Frau verscheuchen wollten. Die Zeugin habe die Bülowstraße nach dem Vorfall im Februar 2015 zunächst verlassen, „weil sie sonst befürchtete, Schläge zu bekommen“. Der Prozess wird am 21. Juli fortgesetzt.