Aktivisten suchen Hilfe in Brandenburg:

Streit um Polens Atompläne

Greenpeace will den Bau zweier Meiler in Polen verhindern. Die Aktivisten befürchten, dass die Folgen eines möglichen Unfalls für die Nachbarländer verharmlost werden. Wie steht die märkische Landesregierung dazu?

Aktivisten demonstrierten im Nachbarland gegen die Absicht, in die Kernkraft einzusteigen.
Marcin Bielecki Aktivisten demonstrierten im Nachbarland gegen die Absicht, in die Kernkraft einzusteigen.

In manchen Teilen Europas sollte man bis heute besser keine Pilze suchen. Sie sind verstrahlt, noch immer belastet nach dem Atomunfall von Tschernobyl. Große Teile Deutschlands waren nach der Reaktorkatastrophe von April 1986 dem Fallout ausgesetzt. Auf Kinderspielplätzen wurde der Sand ausgetauscht, vor dem Verzehr von Früchten aus dem eigenen Garten eindringlich gewarnt.

Kann sich so eine Katastrophe wiederholen? „Wenn es in Sarnowiecz oder Lubiatowo einen Atomunfall gibt, könnten große Teile Deutschlands unbewohnbar werden“, warnt der Physiker Hans Smital. Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wären dann direkt betroffen. In Sarnowiecz und Lubiatowo, zwei Dörfern in der Nähe von Danzig, plant Polen gerade den Neubau zweier Kernkraftwerke.

Distanz bietet keine Sicherheit

Und der für die Umweltschutzorganisation Greenpeace arbeitende Physiker ist alarmiert. „1000 Kilometer sind keine Distanz, die Sicherheit bietet“, sagt Smital. Die Umweltschutzorganisation bittet die Landesregierung deswegen um Unterstützung. Denn in Polen klagt Greenpeace gegenwärtig gegen den Neubau der Kraftwerke. „Ein Rechtsgutachten aus Potsdam wäre da eine große Hilfe.“

Derzeit hat Polen keine eigenen Kernkraftwerke. Der Neubau der Reaktoren soll bis 2017 verbindlich beschlossen werden. Ans Netz gehen könnten die Atomkraftwerke dann bis 2035.

Umweltministerium lehnt Kernenergie ab

Das Potsdamer Umweltministerium sieht den Neubau der polnischen Atomkraftwerke ebenfalls kritisch. Versprechen will man Greenpeace aber nichts. „Das Land Brandenburg hat sich seit seiner Neugründung stets für eine Energiegewinnung ohne die Nutzung der Atomkernenergie ausgesprochen, da es sich um eine Risikotechnologie handelt“, sagt Pressesprecher Hans-Joachim Wersin-Sielaff auf Nachfrage. Gegenüber den polnischen Partnern habe man deswegen stets eine „ablehnende Haltung zur Kernenergie zum Ausdruck gebracht.“

Vorsichtiger äußert sich der energiepolitische Sprecher der Brandenburger CDU, Steeven Bretz. „Polen ist ein souveränes Land, wir sollten deswegen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Polen zeigen“, sagt der Landtagsabgeordnete. Deutschland habe sich aufgemacht, beim Ausstieg aus der Kernenergie zum Vorreiter zu werden.

„Wir sollten aber die Polen nicht kritisieren, sondern ihnen gemeinsame Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien anbieten, zum Beispiel bei der Entwicklung von Speichertechnologien“, sagt er. Wenn in Brandenburg starker Wind herrsche, könne man den überschüssigen Strom aus der Mark nach Polen exportieren. „Das gute Verhältnis zu Polen sollten wir jedenfalls nicht auf dem Altar kurzfristiger politischer Kampagnen opfern.“ 

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