Der Streit geht weiter:

Warum sollen die Bürger nicht über die Garnisonkirche entscheiden dürfen?

Die Potsdamer Kommunalpolitiker wollen kein Wählervotum über den Wiederaufbau des Gotteshauses. Was steckt dahinter?

Von der Kirche sind bisher nur einzelne Elemente rekonstruiert.
Ralf Hirschberger Von der Kirche sind bisher nur einzelne Elemente rekonstruiert.

Im Streit um die Potsdamer Garnisonkirche haben Gegner die Evangelische Kirche aufgefordert, den geplanten Wiederaufbau zu stoppen. Das Projekt sei politisch gescheitert, sagte Simon Wohlfahrt, Sprecher der Initiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“, am Donnerstag. „Die kirchliche Stiftung hat nicht nur 14 285 Stimmen gegen sich, sondern auch ein Stadtparlament.“

Potsdams Stadtverordnetenversammlung hatte am Mittwoch das Bürgerbegehren mit nur acht Stimmen bei großer Enthaltung angenommen und so einen Bürgerentscheid verhindert. Wohlfahrt bedauerte, dass es nicht zum Bürgervotum kommt. „Sie wollen die Bürger nicht beteiligen, weil sie vermuten, dass die Ablehnung sehr groß ist.“

Lutz Boede, Fraktionsgeschäftsführer der linksalternativen Fraktion „Die Andere“ sprach von einem „schäbigen Trick“. Seiner Ansicht nach zeigt die Enthaltung der Kooperation aus SPD, CDU, Grünen, Potsdamer Demokraten und Freien Wählern unter Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD): Die Stadtverordneten sähen keine Chance mehr, bei den Bürgern eine Mehrheit zu finden. „Das ist ein starkes Signal an die Spender“, so Boede.

Der Wiederaufbau der Kirche soll auch mit Spendengeldern erfolgen

Wohlfahrt sieht dies ähnlich: Die deutlich gewordene Ablehnung halte potenzielle Spender ab, den Wiederaufbau der Kirche zu unterstützen, bemerkte er. Der Wiederaufbau des Gotteshauses soll über Spendengelder erfolgen. Die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg wollen sich nicht beteiligen, der Bund will allerdings zwölf Millionen Euro beisteuern.

Rund 100 Millionen Euro sind für das gesamte Projekt veranschlagt. Allein für den Kirchturm sind es knapp 41 Millionen Euro. Knapp die Hälfte dieser Summe sei beisammen, berichtete die Sprecherin der Stiftung, Friederike Schuppan.

Rathauschef Jakobs muss nun prüfen, wie alle rechtlichen Möglichkeiten genutzt werden können, um die Garnisonkirchen-Stiftung aufzulösen. So lautet der Auftrag des Bürgerbegehrens. Es geht nicht darum, ob Kirche aufgebaut werden soll oder nicht.

Es bestehen jedoch große Zweifel, ob die Stiftung aufgelöst werden kann – schon wegen der Mehrheitsverhältnisse im Kuratorium. Die Stadt hat nur einen Sitz in dem elfköpfigen Gremium.

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