Diskussionen bis März:

Was auf Schüler und Lehrer in naher Zukunft zukommt

Brandenburg und Berlin planen einen einheitlichen Lehrplan für alle Schultypen.  Dabei sind ganz neue Unterrichtsfächer vorgesehen. Aber es gibt schon Widerspruch.

Viele Pädagogen halten nichts davon, bisher getrennte Fächer bald zusammen zu unterrichten. Foto: Bernd Settnik
Bernd Settnik Viele Pädagogen halten nichts davon, bisher getrennte Fächer bald zusammen zu unterrichten. Foto: Bernd Settnik

An Brandenburgs Grundschulen soll es künftig zwei neue Fächer geben: Jeweils in den Klassen fünf und sechs werden die Fächer Biologie und Physik künftig in einem gemeinsamen Fach Naturwissenschaften zusammengefasst. An die Stelle der bislang einstündig unterrichteten Fächer Geografie, Geschichte und Politische Bildung tritt künftig das Fach Gesellschaftswissenschaften. Das geht aus dem Entwurf des neuen gemeinsamen Rahmenlehrplans der Länder Berlin und Brandenburg hervor, den Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) und Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag in Berlin und Potsdam veröffentlichten. Der Plan fasst erstmals den gesamten Unterricht der Klassenstufen eins bis zehn an allen Schultypen in einem Regelwerk zusammen.

In Kraft treten sollen die Neuregelungen vom Schuljahr 2016/2017 an, bis dahin soll es eine breite fachpolitische Diskussion darüber geben. Bis zum 27. März 2015 soll es zahlreiche Informationsveranstaltungen für Schulleiter und Diskussionen in den Schulen geben.

Auch Eltern und Schüler sollen angehört werden

Im Internet, auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg, können Lehrkräfte, Eltern und Schüler in Form einer „Online-Anhörung“ Rückmeldungen zum neuen Rahmenlehrplan geben.„Derzeit werden die Berliner und Brandenburger Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen eins bis zehn nach 68 Rahmenlehrplänen unterrichtet – künftig wird es nur noch einen Rahmenlehrplan für alle Fächer geben“, sagte Baaske in Potsdam.

Die Lehrkräfte bekämen erstmals einen Plan, der die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zur Jahrgangsstufe zehn durchgehend abbilde. „So entsteht am Ende der Jahrgangsstufe sechs beim Übergang in die weiterführende allgemeinbildende Schule nicht nur mehr Transparenz, sondern wir berücksichtigen mit dem schulstufenübergreifenden Rahmenlehrplan das unterschiedliche Lerntempo und die individuelle Förderung aller Lernenden.“

Kritische Anmerkungen von den Lehrerverbänden

Unter Brandenburgs Lehrern ist die Neuregelung allerdings umstritten. Nachdem vor Kurzem schon der Geschichtslehrerverband das neue Schulfach „Gesellschaftswissenschaften“ kritisierte, legte am Freitag der Vorsitzende des Verbandes der Brandenburger Oberschullehrer, Werner Lindner, nach. „Wir sehen die Zusammenlegung von Einzelfächern durchaus strittig“, sagte er dem Uckermark Kurier. „Wenn man mal das Fach Naturwissenschaft nimmt, dann stellt sich schon die Frage, ob der Kollege, der Mathe und Physik studiert hat, nun auch Biologie unterrichten kann.“ An dieser Stelle gebe es ein „Risikopotenzial“, so Lindner: „Man muss prüfen, ob die Kompetenzen der Lehrer, die sich im System befinden, dafür geeignet sind.“

Auch der Brandenburger GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs erklärte, die Fachlichkeit dürfe unter dem neuen Plan nicht leiden. „Mit der Harmonisierung der Bildungsgänge, wie sie im Lehrplan vorgenommen wird, erleben wir eine grundlegende Veränderung von Schule“, sagte Fuchs. „Da muss die Lehrerbildung reformiert werden, und wir brauchen neue Fortbildungsangebote.“

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