PCK wirbt um Nachwuchs:

Was nachts in einer Raffinerie los ist

Zwölf Millionen Tonnen Rohöl werden jährlich in Schwedt verarbeitet. Dafür sind Hunderte Mitarbeiter nötig. Schon bald geht eine ganze Generation in Rente. Eine Chance für junge Leute, eine Lehrstelle zu finden. Davon konnten sie sich eine Nacht lang überzeugen.

Die Schwedter Raffinerie lud zur sechsten langen Nacht der Ausbildung.
Martin E. Kruppa Die Schwedter Raffinerie lud zur sechsten langen Nacht der Ausbildung.

Paul Schmidt aus Berlin verbringt seine Ferien in Gartz an der Oder. Eines war für ihn dabei klar: Er wird mit seinem Opa zur langen Nacht der Ausbildung in die Schwedter PCK-Raffinerie fahren. Denn er interessiert sich für Physik, Mathe und Chemie, hat gute Noten in diesen Fächern. Und einmal zu erleben, wie in einem so großen Chemiebetrieb gearbeitet wird, war sein Wunsch. Im Ausbildungslabor lässt sich Paul von Stefan Rischewski die Anlagen erklären. „Toll, dass ich das hier so sehen kann“, sagt Paul. Sein Gegenüber Stefan ist Azubi im zweiten Lehrjahr. Er wird Chemikant. „Ist ein toller Job“, sagt er. Stefan war, ehe er seine Lehre antrat, selbst Gast bei der langen Nacht der Ausbildung. „Das war gut, dass ich mir das alles schon mal anschauen konnte, ehe ich mich dort bewerbe.“

Es war die sechste lange Nacht der Ausbildung, zu der die Raffinerie eingeladen hatte. Bis 22 Uhr hatten Jugendliche am Freitag die Gelegenheit, sich in dem Chemiebetrieb umzusehen und sich bei den Azubis Rat zu holen. „Wir folgen dem Prinzip, das wir auch bei der Schwedter Ausbildungsmesse anwenden: Azubis erklären Schülern die Jobs. Das ist eine Generation, die sprechen die gleiche Sprache und die Jugendlichen vertrauen auch dem, was ihnen die Azubis sagen. Wenn ich als alter Chef zu ihnen reden würde, wäre die Distanz viel größer“, sagt PCK-Geschäftsführer Jos van Winsen. Das Unternehmen ist auf Verjüngungskurs, die demografische Entwicklung macht sich in der Schwedter Raffinerie bemerkbar, die zudem durch die Sozialplanregelungen der 1990er Jahre beim Personalabbau verstärkt wird. Damals mussten vor allem Jüngere den Betrieb verlassen.

In den nächsten zehn Jahren gehen mehr als 600 Mitarbeiter in Rente

Heute steht eine ganze Generation vor der Rente. „Wir werden in den nächsten zehn Jahren über 600 Mitarbeiter in die Rente schicken. In den nächsten zwei drei Jahren sind es pro Jahr an die 20 oder 30, dann wird die Zahl deutlich ansteigen“, sagt van Winsen. Chancen also für den Nachwuchs. „Es werden sich wieder Karrierechancen eröffnen, denn es gehen nicht nur Anlagenfahrer, sondern auch Leute aus der leitenden Ebene in den Ruhestand.“

Etwa 100 Azubis lernen im PCK gegenwärtig. Ausgebildet werden hier Chemikanten und Elektroniker für Automatisierungstechnik. Als duale Ausbildung mit Studienabschluss bietet das Unternehmen den Bachelor im Maschinenbau an. Vor Jahren gab es noch mehr Azubis. „Da war auch der Lehrstellenmangel noch größer. Wir haben mehr junge Leute ausgebildet, als wir selbst als Nachwuchs brauchen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, jetzt gibt es bald mehr Lehrstellen als Azubis. Wir haben reagiert und unsere Zahl der Ausbildungsplätze gesenkt“, sagt PCK-Sprecherin Vica Fajnor. PCK will künftig nach Bedarf ausbilden, so viele Lehrlinge, wie das Unternehmen Nachwuchs braucht. In den zurückliegenden Jahren konnten bereits etwa 80 Prozent der Azubis nach der Ausbildung übernommen werden.

Paul Schmidt will wiederkommen. Mit seinem Opa hat er Pläne geschmiedet, dass er sich zum Laboranten ausbilden lassen will. Ein Jahr lang in Berlin. Und danach in der Uckermark. „Dann könnte er bei uns in Gartz wohnen“, freut sich sein Großvater.

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