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Wenn Bäume im Internet ihr Leid klagen

„Hilfe, ich habe Durst“ – so könnte es klingen, wenn demnächst eine Birke twittert. Die Forscher haben aber etwas Wichtiges im Sinn.

Die Professorin für Pflanzenökologie Kathy Steppe von der Ghent University (Belgien) lässt eine Birke in der Schorfheide twittern.
Patrick Pleul Die Professorin für Pflanzenökologie Kathy Steppe von der Ghent University (Belgien) lässt eine Birke in der Schorfheide twittern.

In Joachimsthal soll eine Birke per Internet-Dienst Twitter über ihren Zustand berichten. Mit Zauberei hat das aber wenig zu tun, wie Ökophysiologin Kathy Steppe von der belgischen Universität Gent sagt. „Die Bäume werden einfach mit Messfühlern und Sensoren ausgestattet, die ihre Vitalwerte per W-Lan direkt ins Internet senden“, erläuterte sie. Im Kern geht es darum, Veränderungen im Wasserhaushalt von Bäumen zu erkennen.

Letztlich könnten Tweets über Verdunstung und Wasserfluss bei starker Trockenheit mit der Formel „Hilfe, ich habe Durst“ übersetzt werden. Über vier Jahre haben Genetiker, Ökophysiologen, Holz-Anatomen und Pflanzenökologen innerhalb des europäischen Forschernetzwerks „Streess“ sich dieses Themas angenommen und Daten zusammengetragen.

Bisher zwitschern sechs Bäume aus Europa

In Europa twittern bislang sechs mit solchen Systemen ausgerüstete Bäume in Belgien und einer in den Niederlanden. Bolte will die Vorführ-Anlage aus Joachimsthal nach Kongressende am Donnerstag mit nach Eberswalde nehmen und einer Kiefer in der Schorfheide anlegen.

Steppes großes Ziel ist es, über die „TwitteringTrees“ ein europaweites Frühwarnsystem zu installieren. „Dafür brauchen wir jede Menge neue twitternde Bäume.“

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