Unter neuen Vorzeichen:

Wie Anwohner gegen Tagebau-Pläne protestieren

Braunkohlegegner machen schon zu Jahresbeginn mobil. Sie wollen keine Erweiterung des Abbaus in Jänschwalde. Doch etwas ist anders als bei den bisherigen Aktionen.

Beim Sternmarsch vor einem Jahr hatten sich auch polnische Demonstranten beteiligt.
Patrick Pleul Beim Sternmarsch vor einem Jahr hatten sich auch polnische Demonstranten beteiligt.

Eine Demonstration, die zur Tradition geworden ist: Mit einem Sternmarsch im
brandenburgischen Grenzgebiet zu Polen wird an diesem Sonntag erneut gegen den geplanten Ausbau des Braunkohletagebaus Jänschwalde protestiert. Rund 900 Einwohner in Atterwasch, Grabko und Kerkwitz müssten umsiedeln, wenn die Bagger in einigen Jahren
anrücken sollten.

Zum bereits achten Mal gehen Braunkohlegegner zu Jahresbeginn auf die Straße, wie die Organisatoren ankündigen. Doch dieses Mal ist offenbar etwas anders. Grund: Vattenfall will seine Braunkohlesparte in der Lausitz bald verkaufen.

Einer der Sternmarsch-Initiatoren, Pfarrer Mathias Berndt aus Atterwasch, beschreibt die Stimmung so: Vattenfall-Mitarbeiter und von Umsiedlung bedrohte Einwohner seien durch die Verkaufsabsichten quasi gleichermaßen verunsichert. Es geht um Arbeitsplätze und es geht um Heimat. Wie sieht die Zukunft im Lausitzer Braunkohlerevier aus?

Rund 800 Demonstranten werden erwartet

Berndt sieht in dem Ganzen auch eine Chance: „Jetzt gibt es die Möglichkeit, miteinander an einem neuen Bild der Lausitz zu arbeiten.“ Die Organisatoren erwarten für den Protestmarsch, der auf einer Wiese zwischen den drei Orten endet, wie im vergangenen Jahr rund 800 Demonstranten.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will seine fünf Gruben in Brandenburg und Sachsen so schnell wie möglich loswerden. Ein potenzieller Käufer ist offiziell noch nicht bekannt. Im November hatte der tschechische Energiekonzern EPH Interesse bekundet. Das Unternehmen besitzt bereits die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Mibrag in Sachsen-Anhalt und gilt auch daher als möglicher Investor.

Bislang hatte Vattenfall vor, drei seiner fünf Gruben zu erweitern. Neben Jänschwalde geht es um die Tagebaue Welzow-Süd südwestlich von Cottbus und Nochten in Sachsen. Ob der Ausbau tatsächlich kommt, ist wegen der Verkaufspläne derzeit nun allerdings ziemlich ungewiss.