Geldprämie im Gespräch:

Wie der Bildungsminister Lehrer aufs Land locken will

4300 neue Pädagogen will Rot-Rot einstellen. Doch in ländliche Regionen wie die Uckermark möchten viele Anwärter nicht. Dabei hat hier manch einer schon vor Jahren sein Glück gefunden.

Nicht nur in Mathematik gibt es zu wenig Lehrkräfte an märkischen Schulen.
Heiko Wolfraum Nicht nur in Mathematik gibt es zu wenig Lehrkräfte an märkischen Schulen.

Ludger Melters hat den Sprung gewagt. 1994 zog der Lehrer am Oberstufenzentrum Uckermark vom niederrheinischen Xanten nach Brandenburg. „Ich hatte nach dem Studium keinen Job gefunden und drei Jahre als Assistent der Geschäftsführung bei Underberg gearbeitet“, sagte Melters. Dann hörte er davon, dass Brandenburg Lehrer suche. Der Pädagoge bewarb sich beim Schulamt in Prenzlau. „Ich habe mich dort vorgestellt, bin in den Uckersee gesprungen und habe mir Prenzlau angesehen“, sagte Melters. „Und ich wusste, ich habe mein Paradies gefunden.“

Umzugsbereite Lehrer wie Ludger Melters sucht Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) derzeit händeringend. Denn zum neuen Schuljahr will die rot-rote Koalition rund 1040 Lehrer an Brandenburger Schulen einstellen. 700 davon sollen aus Altersgründen ausscheidende Lehrer ersetzen, rund 300 sollen zusätzlich eingestellt werden, weil Lehrer an Gesamtschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren künftig eine Stunde weniger unterrichten müssen. Bis zum Ende der Legislaturperiode will Baaske insgesamt rund 4300 neue Lehrkräfte einstellen. Doch an der Universität Potsdam werden nur rund 300 Lehrer pro Jahr ausgebildet.

Werbevideo soll Auswärtige ins Land ziehen

Mit einer Geldprämie will Baaske (SPD) deswegen neue Lehrer in die dünn besiedelten Regionen des Landes locken. Gegenwärtig werde geprüft, ob es möglich sei, für Stellen, die jahrelang unbesetzt waren, eine auf drei Jahre befristete Zulage von 300 Euro pro Monat zu zahlen, sagte Baaske am Dienstag in Potsdam. Zudem habe das Bildungsministerium ein Werbevideo gedreht, das mit der schönen Landschaft, der Nähe zur Ostsee und der Bundeshauptstadt Berlin für Brandenburg wirbt.

Alle freien Lehrerstellen sollen im Fachkräfteportal des Landes verzeichnet werden. Auf eine Anzeigenkampagne, wie noch unter Bildungsministerin Martina Münch (SPD) praktiziert, verzichtet das Ministerium diesmal. Eingestellt werden soll vor allem an Oberstufenzentren, Oberschulen und Sonderschulen, während an Gymnasien nur punktuell Stellen zur Besetzung anstünden. Besonderer Mangel herrsche in den Fächern Deutsch, Mathematik, Sport, Musik und Kunst. „Wer als Lehrer nach Brandenburg geht, erhält ein sicheres Arbeitsverhältnis“, sagte Baaske. „Wir werden jeden, der das möchte, auch
verbeamten.“