Neuartiges Training:

Wie Polizisten mit der Waffe umgehen lernen

Wie fast überall in Deutschland trainieren auch in Brandenburg Polizeibeamte immer häufiger mit gezogener Pistole in der Hand. Das hat einen besonderen Grund: Diese Taktik soll dazu beitragen, Gewalttäter von ihrem aggressiven Handeln abzubringen.

Im Ernstfall kommt es auf schnelle Reaktionen und jeden Handgriff an.
Patrick Pleul Im Ernstfall kommt es auf schnelle Reaktionen und jeden Handgriff an.

Ein Mann geht mit einer Axt auf zwei Polizisten zu. Die beiden ziehen ihre Pistole. „Stopp Polizei.“ Keine Reaktion. Der Polizist legt nach: „Axt fallen lassen, oder ich schieße.“ Die Axt wandert zum Boden. Plötzlich entspannt sich alles – die drei Männer nehmen ihre Vermummung vom Kopf und gehen anschließend gemeinsam in die Mittagspause. Diese künstliche Situation ist Teil eines Polizeitrainings in einer Raumschießanlage in Cottbus. Gezogene Waffen werden in Brandenburg immer häufiger im Training einbezogen, wie der Leiter des Weiterbildungszentrums Süd, Markus Crüger, sagt. „Ziel ist es aber, nicht schießen zu müssen“. Die Waffe als Deeskalationsmittel? Das klingt fürs Erste sehr
verwunderlich.

Die sichtbar getragene Waffe soll laut Polizei dazu beitragen, dass Täter oder Angreifer schneller aufgeben. „Wir zeigen die letzte Konsequenz auf und schrecken so ab“, sagt der Polizeihauptkommissar. Zudem müssten Polizisten in Gefahrensituationen sehr schnell reagieren. „Wenn sie die Waffe erst aus dem Holster ziehen und sie in Position bringen müssen, kann es schon zu spät sein.“ Seit vielen Jahren gehe das Training hin zur offensiven Waffenhaltung, wie es im Fachjargon heißt.

Schon seit Jahresbeginn gibt es nach Angaben von Crüger für alle vier Weiterbildungszentren im Land Brandenburg verbindliche Trainingsstandards für einen solchen Umgang mit der Waffe. Verlässliche Erfahrungswerte gebe es noch nicht. Allerdings ließen die Berichte einzelner Beamter darauf schließen, dass die Taktik erfolgsversprechend ist.

Steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten

Als ein Grund für das Zücken der Waffe nennt Crüger die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten. Laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik gab es in Brandenburg im vergangenen Jahr immerhin 1121 Straftaten gegenüber Polizisten. 2012 seien es noch lediglich 1065 gewesen.

Zugleich gibt es immer wieder heftige Kritik gegen das Vorgehen von Beamten im Einsatz. Im Internet kursieren immer neue Videos, die tretende und schlagende Beamte bei Einsätzen zeigen. Bedauerlicherweise würden in Videos nicht alle Sequenzen gezeigt – etwa, wie Polizisten im Vorfeld angegriffen werden, hält Crüger dagegen. Laut Innenministerium wurden im vergangenen Jahr insgesamt 93 Verfahren gegen Polizeibeamte wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.

Im Weiterbildungszentrum Süd mit den Standorten Cottbus, Königs Wusterhausen und Finsterwalde werden durchschnittlich pro Tag bis zu 50 Polizisten trainiert. Viermal im Jahr gebe es eine solche Übung für einen Polizisten, heißt es.

Holger Kienberg ist einer der Trainer. Er selbst habe eine Situation wie die mit der Axt noch nicht erlebt, aber eine mit Pfefferspray vor drei Jahren. „In einer Wohnung lärmte ein Mann rum und wollte nicht mehr aufhören“, beschreibt der 51-Jährige. Als er das Pfefferspray deutlich gezeigt habe, habe der Mann sofort aufgegeben. „Ich glaube, dass
das offensive Zeigen geholfen hat.“

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