Weinanbau:

Winzer erwarten gute Ernte

Im Verhältnis zu den großen Weinbauregionen der Republik nimmt sich das Anbaugebiet in Brandenburg geradezu winzig aus. Dennoch ist man guter Hoffnung auch 2013 wieder einen qualitativ ordentlichen Jahrgang anzubieten.

Ein Arbeiter schüttet auf dem Weingut Lindecke am Wachtelberg in Werder einen Eimer mit Trauben in einen Bottich für den jungen Wein namens Federweißer. Foto: Ralf Hirschberger
Ralf Hirschberger Ein Arbeiter schüttet auf dem Weingut Lindecke am Wachtelberg in Werder einen Eimer mit Trauben in einen Bottich für den jungen Wein namens Federweißer. Foto: Ralf Hirschberger

Die Trauben sind voll, die Beeren saftig rund und prall gefüllt. An den Rebstöcken bei Winzer Manfred Lindicke vom Wachtelberg in Werder/Havel (Havelland) hängen genug Trauben. „Die nächsten Wochen entscheiden über die Qualität“, sagte der Landwirt. Optisch sieht es zunächst gut an den Pflanzen aus. Lindicke betreibt die nördlichste eingetragene Reblage Deutschlands.

Brandenburg hat gemessen an den großen deutschen Weinbauregionen nur eine winzige Fläche. Gerade einmal knapp 30 Hektar sind aufgerebt. In Rheinhessen sind es 26 500 Hektar, in der Pfalz 23 500 Hektar. Bei den Brandenburger Nachbarn Sachsen-Anhalt werden Trauben von 666 Hektar gelesen, in Sachsen von 400 Hektar. Winzer Lindicke gehört zum Weinbauverband Saale-Unstrut. Dort sind die Winzer optimistisch, wie Präsident Siegfried Boy sagte. „Auch in Brandenburg rechnen wir mit guten Ergebnissen.“

Lindicke ist schon sehr optimistisch, auch wenn er die Trauben bislang nur in Augenschein nehmen konnte. „Weitere Untersuchungen sind noch nicht möglich“, sagt er. Wenn das Wetter mitspielt, es weiter viel Sonne und Wärme, aber keinen Regen gibt, wird um den 17. September herum mit der Lese begonnen. Als erste Sorte ist der Müller/Thurgau an der Reihe. Später folgen dann Regent und Dornfelder. Zunächst werden in diesen Tagen Trauben für Federweißer, einen jungen Wein, geerntet.

Ab dem 12. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war der Weinbau in Brandenburg normal. Mitte der 1980-er Jahre wurden nach Angaben des Agrarministeriums wieder die ersten Reben gesetzt. Seit 2009 ist das Gebiet „Brandenburger Landwein“ bundesweit anerkannt. Mehr als 20 Traubensorten stehen in den Weinbergen.

Der nördlichste Weinberg des Landes liegt in Annenwalde in der Uckermark. Im Süden gibt es Weinbauern in Schlieben (Elbe-Elster). Heimisch fühlen sich die Rebstöcke auch im ehemaligen Kohletagebau Welzow-Süd, bei Guben im Spree-Neiße-Kreis, im Klosterhof Töplitz, im Kloster Neuzelle und in Baruth. Wieder hergerichtet wird derzeit mitten in Potsdam der Königliche Weinberg auf dem Klausberg. Zum 250. Geburtstag soll er 2019 fertig sein. Allein für die denkmalgerechte Sanierung der baulichen Anlagen sind rund 2,8 Millionen Euro erforderlich.

Bauer Lindicke ist der größte Brandenburger Winzer: Auf dem Werderaner Wachtelberg bewirtschaftet er 6,2 Hektar und auf dem Galgenberg 1,4 Hektar. Im Vorjahr hatte er rund 500 000 Euro in eine eigene Kelterei investiert – bislang gingen die Trauben immer nach Sachsen-Anhalt. Die Kapazität dieser Anlage liegt bei 50 000 Flaschen. Nach einem guten Jahr 2011 mit 40 000 Flaschen, gab es 2012 einen Einbruch. „Von den 25 000 Flaschen ist fast nichts mehr da“, sagt Manfred Lindicke. „Wird Zeit, dass Nachschub kommt.“

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