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Wo es bei den Feuerwehren klemmt

In vielen Gemeinden des Landes hängt der Brandschutz von freiwilligen Helfern ab. Vielerorts sinkt aber die Zahl ehrenamtlicher Lebensretter. Deshalb sind neue Ideen gefragt.

Feuerwehrleute müssen für die Einsätze regelmäßig üben.
Patrick Pleul Feuerwehrleute müssen für die Einsätze regelmäßig üben.

Angesichts schwindender Mitgliederzahlen hat der Landesfeuerwehrverband gefordert, verstärkt Quereinsteiger für den Dienst zu gewinnen. Nachwuchsarbeit allein könne das Problem bei den freiwilligen Feuerwehren zwischen Elbe und Oder nicht zeitnah lösen. „Erwachsene Quereinsteiger bekommen wir sehr viel schneller ausgebildet als Jugendliche“, sagt der Barnimer Chef des Kreisfeuerwehrverbands Rainer Strempel.

Es sei gut, dass das Land Brandenburg die Aufwandsentschädigung für beruflich Selbstständige bei einem Einsatz inzwischen von 16 auf 35 Euro pro Stunde erhöht habe. Allerdings sei dies leider derzeit nur eine Kann-Regelung. „Welche Kommune zahlt denn dann tatsächlich den neuen Satz?“, fragt Strempel.

Sein Amtskollege Uwe Steinbeiß aus Elbe-Elster beklagt, die Feuerwehr werde heutzutage nicht mehr geführt, sondern nur noch verwaltet. Immer nur stünden die Kosten im Vordergrund.

Mit den Menschen ziehen auch Feuerwehrleute weg

„Dabei laufen uns in Südbrandenburg die Leute weg“, betont Steinbeiß, der zugleich als Herzberger Stadtbrandmeister fungiert. Viele zögen den Jobs hinterher, andere wiederum müssten täglich viele Kilometer zur Arbeit pendeln. „Mit der Tagesbereitschaft ist es oft sehr schwierig“, bestätigt Strempel. Zwar hätten sich mit Einführung der Stützpunktfeuerwehren im Jahr 2007 die Voraussetzungen merklich verbessert, um am Tag flächendeckend eine schlagkräftige Truppe zusammenzubekommen. Dennoch werde es zwischen 8 und 16 Uhr unter der Woche immer schwieriger, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Oftmals würden bei Bränden Nachbarwehren gleich mit alarmiert. Dies zeigt aus Sicht des Städte- und Gemeindebundes, dass das System überprüft werden muss. „Vielleicht müssen wir weitere Konzentrationen vornehmen“, erklärt Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher.

Auch für die Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrleute dürfe es kein Denkverbot geben. Schon jetzt würden Städte mit mehr als 30 000 Einwohnern immer öfter bei Bränden an ihrer Peripherie herangezogen. Das liege daran, dass diese Städte über Berufsfeuerwehrleute verfügen.

Das Innenministerium setzt auf die Jugendfeuerwehren

Das Innenministerium verweist auf die gute Jugendarbeit der freiwilligen Feuerwehren. Im sechsten Jahr in Folge sei die Zahl der Jugendlichen auf jetzt 12 100 Mitglieder angestiegen – ein ausgesprochen erfreulicher Trend.

Strempel sieht dies differenzierter: „Wir haben gerade Probleme beim Sprung von der Jugendwehr in den normalen Dienst. Hier gehen uns viele junge Leute verloren“, sagt der Ortswehrführer von Biesenthal. Entweder zögen die Jungen der Ausbildung wegen weg oder sie verlören die Lust. „Deshalb setzen wir im Barnim auf ein Patensystem, wo gestandene Feuerwehrleute die Jungen an die Hand nehmen und ihnen den Wechsel in die Erwachsenen-Wehr erleichtern.“

Landesweit gibt es aktuell 41 666 Aktive in 200 Wehren. Das sind 1000 weniger als vor einem Jahr. Vor zehn Jahren waren es noch 48 600 Feuerwehrleute.

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