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Wo Wildvögel gern Station machen

Landschaftlich ist der einzige Nationalpark zwischen Elbe und Oder wunderschön. Seit 20 Jahren steht das Untere Odertal unter besonderem Schutz. Aber zwischen Naturschützern und Bauern kracht es mitunter.

Die Seen des Parks bieten Graureihern sehr gute Lebensbedingungen.
Patrick Pleul Die Seen des Parks bieten Graureihern sehr gute Lebensbedingungen.

Für Tausende Gänse, Singschwäne und Kraniche ist das Untere Odertal erste Adresse: Im Herbst und Winter machen sie auf dem Vogelzug in Deutschlands einzigem Flussauen-Nationalpark Rast. Sie stärken sich für den Weiterflug. Der Nationalpark Unteres Odertal im Nordosten Brandenburgs, wo auch Kormorane nisten, bietet seltenen Arten wie Wachtelkönig, Seggenrohrsänger, Rotschenkel und Blaukehlchen Schutz. Der 1995 gegründete Nationalpark sorgte Jahre für Zündstoff. Das hat sich gelegt. An diesem Sonnabend feiert der Park seinen 20. Geburtstag.

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) erinnert an die schwierigen Anfangszeiten, als Konflikte die Entwicklung des Schutzgebietes überschatteten. Es fehlte an Vorgaben zum Umfang der Wildnisgebiete und wo diese liegen sollten, sagt er. Unsicherheit habe sich in der Region breitgemacht. „Es gab keine Planung für den Nationalpark in
einem Guss.“

Ministergenehmigung für Landkäufe

Der Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparkes kaufte mithilfe eines Bundesprogramms Flächen in dem 10 500 Hektar großen Nationalpark. Landwirte mussten Flächen abgeben, tauschen und vom Verein pachten. Dem Verein wurde vorgeworfen, durch die Landkäufe die Existenz von Bauern aufs Spiel zu setzen. 1998 griff der Landtag ein. Landkäufe mussten danach von zuständigen Ministern absegnet werden.

Der Vereinsvorsitzende Thomas Berg erklärt: „Der Streit hat sich gelegt. Für die Landwirte sind wir vielleicht nicht der Traumpartner, aber dafür ein verlässlicher Partner.“ Die Verträge habe der Verein nach dem Vorbild anderer Kontrakte aus der Branche gemacht. „Es pachtet nur, wer sich ausrechnet, dass er noch Geld damit verdienen kann“, sagt Berg. Wegen des Naturschutzes seien Auflagen zu beachten.

Bewirtschaftung gut für den Naturschutz

Nach Einschätzung von Friedhelm Rogasch, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Uckermark, haben sich die Landwirte inzwischen mit der Situation arrangiert. „Die Bewirtschaftung ist der beste Naturschutz“, betont er. Landwirte beobachteten, wie bestimmte Vogelarten aus dem Dickicht der Wildnis auf offene Fläche zögen. Gerade auf den Niedermoor-Flächen werde Heu und Silage gemacht, stünden Milchkühe und Jungvieh. Flora und Fauna entwickle sich dort besser als in der Kernzone, wo meterhoch das Gras stehe. „Das ist dann wie eine Monokultur.“

Mit der Novellierung des Nationalparkgesetzes 2006 kehrte Ruhe in die landschaftlich reizvolle Gegend ein, deren Bewohner oft skeptisch auf Neues blicken. Das Gesetz schuf die Verbindung zwischen Region und Nationalpark und gewann verloren gegangenes Vertrauen zurück, wie es der Minister formuliert. „Der Nationalpark ist jetzt in der Region angekommen“, betont Michael Tautenhahn, stellvertretender Parkleiter. Es sei eine Flurbereinigung erfolgt, der Flächentausch sei freiwillig erfolgt mit dem Ziel, 50,1 Prozent des Parks als Totalreservat auszuweisen. In kleinen Orten sei auch die Infrastruktur verbessert, Straßen und Wege gebaut worden.

Der Nationalpark habe sich touristisch geöffnet, berichtet Tautenhahn. „Davon profitieren die Region und die Regionalentwicklung.“ So könnten Touristen beispielsweise an geführten Kanu-Touren teilnehmen. Das Baden sei an bestimmten Stellen möglich, auch das Sammeln von Beeren und Pilzen.

Nachhaltige Nutzung durch Touristen und Bauern

Im Winter würden bestimmte Flächen zum Eislaufen ausgewiesen – dabei immer die Naturschutzbelange beachtend. Für die Mahd gebe es bestimmte Zeiträume für Landwirte, damit Bodenbrüter nicht gestört werden.

Im Nationalpark gedeihen besondere Orchideenarten auf den Wiesen, suhlen sich behäbige Wasserbüffel in der uckermärkischen Landschaft. Auch Biber und Fischotter fühlen sich wohl und müssen mit Zuzug leben: Aus der Schwarzmeerregion sei eine Schwarzmundgrundel, ein kleiner Fisch, eingewandert, erzählt Tautenhahn. „Der Waschbär ist auf dem Vormarsch und der Seeadlerbestand hat sich positiv entwickelt.“ Inzwischen gebe es fast mehr Silber- als Graureiher. „Vor 20 Jahren wurden Silberreiher noch selten beobachtet. Jetzt werden sie bestimmt bald hier brüten.“