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Zahl der Straftaten erreicht neuen Tiefstand

Nach Jahren unverändert hoher Kriminalitätsbelastung gibt es neuerdings einen Hoffnungsschimmer: 2015 gab es weniger Delikte als im Vorjahr. Allerdings gibt es auch Tendenzen, die alles andere als positiv sind.

Die Ausweitung der Zusammenarbeit mit polnischen Polizisten führte zu einem Rückgang bei Autodiebstählen.
Patrick Pleul Die Ausweitung der Zusammenarbeit mit polnischen Polizisten führte zu einem Rückgang bei Autodiebstählen.

Die Zahl der Straftaten hat in Brandenburg einen neuen Tiefstand erreicht. Im vergangenen Jahr wurden 188 264 Fälle registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von rund vier Prozent bedeutet, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Montag sagte. Deutlich rückläufig war vor allem die Zahl der Auto- und Fahrrad- und anderen Diebstähle mit einem Minus von 6,3 Prozent auf rund 79 300. Dagegen stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche um gut elf Prozent auf 4436 Fälle. Die Aufklärungsquote stagnierte: Wie im Vorjahr konnte nur etwa jede zweite Straftat (52,5 Prozent) aufgeklärt werden.

„Die gesunkene Zahl der Delikte darf nicht über die weiterhin angespannte Lage im Land hinwegtäuschen“, sagte Schröter. „Im Vergleich der Flächenländer ist die Kriminalitätsbelastung in Brandenburg immer noch zu hoch.“ Die weiterhin geringen Erfolge bei der Aufklärung der Straftaten erklärte er mit der hohen Belastung infolge der Flüchtlingskrise: „Die Polizisten müssen seit dem Sommer 2015 eine Vielzahl von Flüchtlingsunterkünften und Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Thema Asyl absichern.“

Mangelnde Prävention gegen Einbrüche

Bei den Wohnungseinbrüchen macht Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke nicht nur deren Zunahme, sondern auch weiterhin die mangelnde Vorbeugung der Brandenburger Sorgen. „Bundesweit brechen die Täter in vier von zehn Fällen einen Einbruchsversuch erfolglos ab, in Brandenburg liegt dieser Wert nur bei drei von zehn.“ Sprich: Wenn die Eigentümer Fenster und Türen stärker sicherten, könnten mehr Einbrüche verhindert werden.

Bei Gewalttaten wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung liegt die Mark mit 168 Taten pro 100 000 Einwohner bundesweit auf einem der hintersten Plätze.

Ein Ausreißer nach oben ist die Rauschgiftkriminalität: Hier stieg die Zahl der festgestellten Delikte um gut 14 Prozent auf rund 8200.

Dafür sank die Zahl der Delikte in den Gemeinden an der polnischen Grenze leicht um 3,6 Prozent. Dies führen die Verantwortlichen unter anderem auf verstärkte Polizeipräsenz wie die zusätzlichen Streifen in Guben und Forst im vergangenen Jahr zurück. „Die weiter rückläufige Zahl bei den Autodiebstählen ist ein Ergebnis der immer besseren Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen“, sagte Schröter.