Landesweit nur 749 Betroffene:

Zahl der Studenten ohne Abitur steigt nur langsam

2009 wurden die Universi-täten auch für beruflich Qualifizierte geöffnet. Das Land Brandenburg hat aber erst Jahre später auf die Gesetzgebung reagiert.

Über den Berufsabschluss qualifizierte Studenten sind noch eine kleine Minderheit.
Ralf Hirschberger Über den Berufsabschluss qualifizierte Studenten sind noch eine kleine Minderheit.

In den Hörsälen an Brandenburgs staatlichen Hochschulen sitzen zunehmend auch Studenten mit Berufserfahrung, aber ohne Abitur. Ihre Zahl stieg von 461 im Wintersemester 2008/09 auf 749 im Wintersemester 2013/14, wie aus einer einer Antwort von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Fragesteller und Fraktionschef Alexander Gauland von der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag bezeichnete den Anstieg als „marginal“.

Der Anteil der Studenten, die sich durch ihren Beruf für das Fach qualifiziert haben, stieg von 2008/09 bis 2013/14 von 1 auf 1,5 Prozent. „Veränderungen in dieser Größenordnung können auch auf zufällige Schwankungen zurückgeführt werden“, sagte Gauland. Sehr bedenklich sei, dass die Kultusministerkonferenz Anfang 2009 den Beschluss „Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung“ verabschiedet habe, dieser aber erst 2014 durch die rot-rote Landesregierung vollständig in Landesrecht umgesetzt worden sei. Diese Verzögerung sei ein „Armutszeugnis“, so Gauland.

Ministerin Kunst verweist auf Hochschulgesetzesnovelle von 2008

Nach Angaben von Ministerin Kunst war es in weiten Teilen Brandenburgs bereits seit der Hochschulgesetzesnovelle von 2008 und auch davor schon möglich, mit einer beruflichen Qualifizierung ein Studium zu beginnen. „Es ist begrüßenswert, wenn sich beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung für ein Studium entscheiden“, sagte ein Sprecher ihres Hauses. Dadurch biete sich etwa die Möglichkeit einer Weiterentwicklung im Beruf.

Auch die AfD begrüße eine höhere Bildungsmobilität bei entsprechender beruflicher Qualifikation, betonte Gauland. Die kommenden Jahre würden zeigen, ob die neuen gesetzlichen Regelungen zu einem deutlichen Anstieg der Studenten mit diesem Hintergrund führen.