Maskenmann-Prozess:

Zeuge will Angeklagten mehrmals gesehen haben

Noch immer bestreitet der Angeklagte, der Gesuchte zu sein. Nun wurde er durch eine neue Aussage belastet.

Der Angeklagte beteuert seine Unschuld.
Patrick Pleul Der Angeklagte beteuert seine Unschuld.

Im Maskenmann-Prozess hat ein Zeuge vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) angegeben, den Angeklagten zwischen den Tatzeiträumen in Tatortnähe mehrmals gesehen zu haben. Er habe ihn in zeitlichen Abständen in der Nähe des Scharmützelsees in einem Waldgebiet und am Strand angetroffen, sagte der 45-Jährige am Montag. Der damals in Diensdorf wohnende Mann schränkte aber ein: „Ich krieg‘s nicht mehr in die zeitliche Reihenfolge.“ Seine Aussagen vor Gericht unterschieden sich teilweise von älteren Vernehmungsprotokollen der Polizei.

Dem 47 Jahre alten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, 2012 einen Berliner Manager in seiner Villa in Storkow entführt zu haben, um Lösegeld zu erpressen. Er soll ihn auf eine Insel im Großen Storkower See gebracht haben – von dort habe sich der Manager selbst befreien können. Dem 47-Jährigen wird auch zur Last gelegt, 2011 die Ehefrau einer Berliner Unternehmerfamilie vor ihrem Ferienhaus in Bad Saarow niedergeschlagen zu haben. Zwei Monate später soll er auf die Tochter der Familie geschossen haben. Der Angeklagte bestreitet, der Gesuchte zu sein.

Die Tatorte sind in der Nähe der Orte, an denen der Zeuge den Angeklagten gesehen haben will. Erstmals habe er den Verdächtigen 2011 zu Gesicht bekommen, noch vor der Attacke auf die Millionärs-Tochter, sagte der Zeuge. Frühmorgens fuhr der Berufskraft- und Linienbusfahrer nach eigenen Angaben Richtung Berlin zur Arbeit, als er im Fernlicht seines Autos den Angeklagten an einer Landstraße entdeckte. „Ich habe mich erschrocken“, gab der Mann an.

Der Angeklagte sei aus dem Wald von einem verlassenen Grundstück gekommen. In der Folge habe er ihn mehrmals wiedergesehen, im Waldgebiet und am Strand. Einmal habe er von einem Steg einen Kopfsprung ins Wasser gemacht. Er sei ein guter Schwimmer gewesen, sagte der Zeuge aus.

Im Verlauf der Vernehmung des Zeugen traten immer mehr Unstimmigkeiten auf. Die Verteidigung verlas etwa ein Vernehmungsprotokoll von 2012, wonach der Zeuge angegeben habe, den Angeklagten erstmals an einem See gesehen zu haben. Auch habe er ausgesagt, an dessen rechtem Ohr etwas Schwarzes wahrgenommen zu haben. Im Prozess gab der Zeuge das linke Ohr an. Immer wieder betonte der 45-Jährige, dass es schwierig sei, alles in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord, versuchten Totschlag, schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung. Der mutmaßliche Maskenmann war nach rund zwei Jahren Ermittlungen im Herbst 2013 gefasst worden. Die Bezeichnung „Maskenmann“ bezieht sich auf eine Art Imkermaske, die der Täter trug.

Der Prozess wird sich voraussichtlich länger als bislang erwartet hinziehen. Derzeit sehe alles danach aus, dass er bis Februar dauert, sagte der Vorsitzende Richter.

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