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Bürger erweisen ermordeten KZ-Häftlingen letzte Ehre

Ins Lager Reihershorst – Außenlager des KZ Neuengamme – wurden die ersten Häftlinge am 15. April 1945 eingeliefert. Ihre Vernichtung erfolgte nicht ...

Befreite Häftlinge werden von amerikanischen Soldaten Anfang Mai 1945 aus dem Lager Wöbbelin gebracht.

Ins Lager Reihershorst – Außenlager des KZ Neuengamme – wurden die ersten Häftlinge am 15. April 1945 eingeliefert. Ihre Vernichtung erfolgte nicht durch körperliche Gewaltanwendung. Man ließ sie verhungern oder an Krankheiten und Entkräftung sterben. Parallel zum Vormarsch der alliierten Armeen wurden die transportfähigen Häftlinge am 1. Mai 1945 in einen Güterzug gepfercht. Er fuhr aber nie ab. Eine SS-Wachtruppe erschoss alle Häftlinge, die sich versteckten, um der Deportation zu entgehen. Am 2. Mai trieben die Bewacher die Menschen ins Lager zurück. Nachdem sich die letzten SS-Männer abgesetzt hatten, befreiten in den Mittagsstunden Soldaten der 82. US-Luftlandedivision die Überlebenden.
200 Opfer wurden am 7. Mai 1945 am Bassin in Ludwigslust beigesetzt. Amerikanische Militärautos fuhren vorher durch die Straßen der Stadt und drohten den Bürgern Strafen an, die nicht an den 200 aufgebahrten und zum Teil schon halb verwesten Toten vorbeigingen. Jede Familie musste für die Bestattung ein weißes Bettlaken mitbringen. Aus Angst ging auch unsere Mutter mit uns zu der Bestattungszeremonie. Der Leichengeruch war schon aus weiter Entfernung wahrnehmbar. Unsere Mutter sagte, dass wir die Augen schließen sollten. Aber nach unten blickend blieben sie offen und so haben auch wir die Gesichter der geschundenen und ermordeten Menschen gesehen. Diesen Anblick vergisst man das ganze Leben nicht.

Jedes Grab erhielt später ein weißes Holzkreuz. Davon trugen 51 den Davidstern. Im Jahr 1951 ließ die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) dort ein Sandsteindenkmal errichten. Der Befreier Leonard Linton wurde nach der Wende Ehrenbürger der Stadt Ludwigslust. Er führte in den USA Sammlungen durch und ließ zum Teil auf seine Kosten die Gedenkstätte neu gestalten. Er starb am 18. Januar 2005.