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Wie die Parteien Wahlkampf machen - und was sie dafür zahlen

Auf welchen Wegen wollen die Parteien im Nordosten die Wähler von sich überzeugen – und wie viel Geld nehmen sie in die Hand? Ein Überblick.

Plakate sind längst nicht mehr alles.
Bernd Wüstneck Plakate sind längst nicht mehr alles.

Der wachsende Schilderwald an den Straßenrändern ist nicht mehr zu übersehen und erinnert nun wohl auch den Letzten daran, dass Ende September Bundestagswahl ist. Obwohl der Einfluss von Wahlplakaten auf das Wählerverhalten unter Fachleuten umstritten ist, halten die Parteien auch in Mecklenburg-Vorpommern an der traditionellen Werbung mit Politikerporträts und eingängigen Sprüchen fest.

Gegen die Plakatflut der sechs größeren Parteien, die sich berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in den Bundestag machen können, kommen kleinere kaum an. Allerdings nutzen die Parteien zunehmend auch die Sozialen Medien, um ihre Botschaften unter das Wahlvolk zu bringen und Stimmung für sich zu machen, wie eine Umfrage unter den Verantwortlichen ergab.

CDU

So setzt die CDU, die 2013 in Mecklenburg-Vorpommern mit 42,5 Prozent klare Siegerin war und alle sechs Direktmandate gewann, fünf Wochen vor der Bundestagswahl schon deutliche Akzente. Neben den Porträts der Kandidaten nutzt sie auch Großplakate der Bundespartei mit Themen wie Sicherheit, Wirtschaft und Familien, um für sich zu werben.

Wie vor vier Jahren rechnet die Nordost-CDU mit Wahlkampfkosten von knapp einer halben Million Euro. „Wir wollen erneut klar stärkste Kraft in MV werden und alle sechs Direktmandate gewinnen, damit unsere Heimat weiterhin eine starke Vertretung in Berlin hat“, gab Landeschef Vincent Kokert als Ziel aus.

Um das zu schaffen, nutzen die Kandidaten – dem Beispiel Angela Merkels folgend – auch Kanäle im Internet. Die Kanzlerin, die erneut in Vorpommern kandidiert, hält ihre Wähler über Facebook oder Youtube auf dem Laufenden. Getwittert wird bei der CDU weniger. Das direkte Gespräch sei ohnehin wichtiger, so Kokert. Merkel selbst werde in allen sechs Wahlkreisen sprechen.

SPD

Das Medium Twitter aber hat die neue SPD-Landes- und Regierungschefin Manuela Schwesig längst für sich entdeckt. Auch wenn sie nach ihrem Wechsel von Berlin nach Schwerin selbst nicht kandidiert, macht sie über den Kurznachrichtendienst schon kräftig Wahlkampf und postet Fotos, die sie unter anderem mit Kanzlerkandidaten Martin Schulz zeigen. „Der SPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern will seinen Beitrag dazu leisten, dass Martin Schulz der nächste Bundeskanzler wird“, zeigt sich Schwesig ungeachtet der mäßigen 17,8 Prozent bei der Wahl 2013 selbstbewusst.

Für ein deutlich besseres Ergebnis soll auch die traditionelle Plakatkampagne sorgen. Vor allem für neue Kandidaten sei diese zur Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades unverzichtbar. Für die sechs Direktkandidaten würden insgesamt 14 000 Standorte bedient, hinzu kämen Großformate von der Bundespartei. Zu den Kosten der Wahlwerbung machte der SPD-Landesverband unter Hinweis auf die Beteiligung und Zuständigkeit der Ortsvereine keine Angaben.

Die Linke

Die Linke, die 2013 in Mecklenburg-Vorpommern 21,5 Prozent bekam und wie die SPD drei Abgeordnete in Berlin stellt, wird nach eigenen Angaben gut 22.000 kleinere Porträtplakate anbringen. Großplakate würden von der Bundespartei übernommen, seien anderseits aber auch mit landestypischen Motiven auf die Direktkandidaten zugeschnitten. Dietmar Bartsch, der in Rostock antritt, wird häufiger als andere von Plakatwänden lächeln. Der gebürtige Stralsunder ist nicht nur Spitzenkandidat der Linken im Land, sondern – mit Sahra Wagenknecht – auch bundesweit.

105.000 Euro plant die Linke für den Wahlkampf ein. Plakate seien dabei klassischer Bestandteil, doch werde das Internet immer wichtiger. In ihrer Social-Media-Strategie legt die Linke nach eigenen Angaben den Schwerpunkt auf Facebook, samt Live-Schaltungen. Landesparteichefin Heidrun Bluhm hofft auf ein ähnliches Wahlergebnis wie 2013. „Besonders wichtig ist uns, die rechtspopulistische AfD in der Gunst der Wählerinnen und Wähler zu schlagen“, betonte sie aber.

AfD

Nach dem Erfolg bei der Landtagswahl im Vorjahr und angesichts auch aktuell guter Umfragewerte gibt sich AfD-Landeschef Leif-Erik Holm jedoch zuversichtlich. „In Mecklenburg-Vorpommern wollen wir ganz klar über 20 Prozent kommen. Bundesweit muss unser Ziel sein, zweistellig und als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen“, sagt Holm, der in Merkels Wahlkreis antritt und mit Listenplatz eins bei der AfD beste Chancen hat, ein Mandat zu erringen.

Auch für die AfD blieben Plakate ein wichtiges Wahlkampf-Mittel, um Menschen „mit pointierten Aussagen und politischen Forderungen zu erreichen“. Sie werde daher auf den 30 000 geplanten Plakaten weniger mit Gesichtern, dafür mehr mit Slogans werben. Mit ihrem Strandmotiv „Burkas? Wir steh'n auf Bikinis“ sorgte die AfD bereits für Diskussionen. Holm kündigte an, auch in den sozialen Netzwerken die direkte Ansprache zu pflegen. Das komme an, keine andere Partei verzeichne so viele Likes. Das Wahlkampfbudget im Land bezifferte Holm mit rund 200 000 Euro.

Bündnis 90/Die Grünen

Auch für die Grünen Mecklenburg-Vorpommerns gelten Plakate als „Pflichtübung“, um zentrale Botschaften flächendeckend zu verbreiten. 40.000 Euro investiert der Landesverband nach eigenen Angaben in den Wahlkampf, dazu kämen noch unbekannte Mittel der Kreisverbände. Neben den Kandidatenporträts in der eher bescheidenen Auflage von 4000 Stück setzen die Nordost-Grünen acht Themen-Motiven der Bundespartei ein. Die darauf erhobenen Forderungen seien „für die Menschen in Nord und Süd, Ost und West gleichermaßen relevant“.

Nach den Worten von Claudia Müller, Landeschefin und Spitzenkandidatin der Grünen, ist sich die Partei aber bewusst, dass sich immer mehr und nicht nur junge Wähler in sozialen Medien informieren, und reagiert. Mit täglich oft mehreren Tweeds geht Müller voran. Sie hofft, dass die Grünen drittstärkste Kraft im Parlament werden: „Denn diese Partei wird maßgeblich die Bundespolitik der nächsten Jahre beeinflussen.“

FDP

Das vermutet offenbar auch die FDP, die nach Jahren der Abstinenz wieder zurück in den Bundestag will und dabei massiv auf ihren Bundesparteichef und Spitzenkandidaten Christian Lindner setzt. Dessen Porträt bestimmt bislang die Plakatwerbung der FDP auch in Mecklenburg-Vorpommern. Auf landestypische Motive und eigene Losungen will die Partei nach eigenen Angaben verzichten, näher zum Wahltag hin dann aber auch die Kandidaten im Land bekannter machen.

16.000 Kleinflächen-Plakate seien dafür gedruckt worden. Doch seien einer Partei, die der Digitalisierung im Wahlprogramm einen herausragenden Platz einräume, auch die Sozialen Medien im Wahlkampf sehr wichtig. Der gesamte Landesverband kämpfe für den Wiedereinzug der FDP in den Deutschen Bundestag und „ein liberales Mandat aus MV in Berlin“, betont Landesparteichef René Domke, lässt aber offen, wie viel Geld die Landespartei dafür einsetzt.