
| Nordkurier |
von Carsten Schönebeck
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Am ersten Verhandlungstag aber drehte sich alles um Formalien des Prozesses. Nicht einmal die Zeugen und Nebenkläger konnten vernommen werden. Aus Angst vor Ausschreitungen hatte man im Greifswalder Amtsgericht hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Vor dem Saal wurden Zeugen, Gäste und Rechtsanwälte auf Waffen kontrolliert. Polizisten sicherten das gesamte Gebäude. Jeder der Angeklagten wurde von zwei Sicherheitsbeamten begleitet. Richter Haubold hatte für die Rocker zusätzlich Fußfesseln angeordnet. Wegen Fluchtgefahr hatten die Männer bereits die letzten fünf Monate in Untersuchungshaft verbracht.
Zu viel des Guten – meinten die Anwälte. Schon vor Beginn der Verhandlung hatte es Unmut gegeben. Im Saal standen nur sieben Plätze für Gäste zur Verfügung. Lange Gesichter bei den rund dreißig Bekannten und Angehörigen, die aus dem Umland, aber auch aus Berlin angereist waren. Viel verpasst haben sie dennoch nicht. Denn der Protest der Anwälte gegen die strengen Maßnahmen sorgte dafür, dass es Dienstag nicht mal zur Verlesung der Anklage kam.
Der Forderung, auf die Fußfesseln zu verzichten, wollte Haubold nach Beratung mit den Schöffen nicht nachkommen. In puncto Sitzordnung ließ er sich auf ein Tisch- und Stuhlrücken ein. So konnten immerhin zwölf Gäste das weitere Geschehen verfolgen.
Doch das Misstrauen konnte damit auch nicht besänftigt werden. Haubold hatte angeordnet, auch die Verteidiger auf Waffen zu kontrollieren. Nur die Staatsanwältin blieb unangetastet. Auch das wollten die Anwälte nicht hinnehmen.
Einzelne fühlten sich kriminalisiert und gekränkt. „Man hätte uns zumindest im Vorfeld informieren müssen“, so Rechtsanwalt Bernd Raitor. „Das Gericht muss jeden Verdacht vermeiden, den Angeklagten und uns gegenüber voreingenommen zu sein.“
Nach dem Stühle-Rücken soll der Richter nun seinen Stuhl räumen. Das jedenfalls forderten die Verteidiger. Die Sitzung musste erneut unterbrochen werden.
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