Juli 22, 2012
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Erst hü, dann hott, dann wieder hü: Wenn der Amtsschimmel wiehert
von Frank Wilhelm
@ So. 22.07.2012 - 16:56.00
Der Steep ist fast voll gebaut. Richtung Westen könnte aber der nächste Bauabschnitt erschlossen werden.
Foto: Wilhelm
Eine Geschichte Rathaus live ist noch zu erzählen, hätte die Begebenheit doch beinahe unseren Baustart am Montag verhindert. „Am Steep“ wird ja nach Paragraph 62 der Landesbauordnung gebaut, weil es sich um ein Gebiet mit Bebauungsplan (B-Plan) handelt: Das heißt, man zeigt sein Bauvorhaben mit den entsprechenden Unterlagen an und das Amt hat dann einen Monat Zeit, zu reagieren. Tut es das nicht, kann man anfangen zu bauen.
Wir hatten unsere Unterlagen zum 20. Juni eingereicht und erhielten auch die entsprechende Bestätigung mit der Information über die so genannte Genehmigungsfreistellung. Einen Tag vor Ablauf der Ein-Monatsfrist am 19. Juli wollte sicherheitshalber nachfragen, ob alles klar geht. Das kann man übervorsichtig nennen, vielleicht aber auch etwas blöd. Der zuständige „kleine“ Sachbearbeiter nämlich stutzte plötzlich beim Nennen der Kessiner Straße, wo wir einmal wohnen wollen, und meinte, dass dort jetzt intensiver geprüft werden müsse, nämlich nach Paragraph 63 der Landesbauordnung. Das würde bedeuten, dass das Amt plötzlich drei Monate Zeit für die Bearbeitung bekäme. Mir verschlug es die Sprache. Auf die Frage nach dem Warum bekam ich noch zu hören, dass es in der Kessiner Straße unter anderem wegen der Nichteinhaltung von Abstandsregelung und der „Überschattung“ von nachbarschaftlichen Solaranlagen zu diversen Streitigkeiten gekommen sei.
Warum uns das nicht früher mitgeteilt worden wäre, konnte mir der Mitarbeiter nicht sagen: Das verstehe er auch nicht!
Meine Frau und ich waren uns einig: Wir wollten noch am gleichen Tag einen Termin beim Bauordnungsamtleiter, um zu klären, warum die eine Hand im Amt nicht wisse, was die andere mache. (Einen ähnlichen Eindruck hatten wir ja bereits beim Thema Bodendenkmal bekommen können.) Den Termin bekamen wir sofort am Telefon. Nach diesem Telefonat muss aber eine behördliche Dynamik ohnegleichen eingesetzt haben. Nur 11 Minuten später rief mich der Sachbearbeiter an und erklärte mir im Beisein seines Behördenchefs, dass er noch einmal genau nachgeschaut habe: Unser Bauplatz an der Kessiner Straße liege ausgerechnet nicht im strittigen Gebiet.
„Und“, fragte ich, „können wir jetzt am Montag anfangen zu bauen?“ – „Sie können noch heute Nachmittag anfangen zu bauen.“ Wow! Als ich mir noch am Nachmittag die erforderlichen Unterlagen abholte, tat mir der Sachbearbeiter, der fast gar nicht hinter den Aktenbergen auf seinem Schreibtisch drüber gucken kann, schon wieder leid. Er muss offensichtlich ordentlich eins über die Mütze bekommen haben.
Am nächsten Morgen dann kurz vor 8 Uhr brachte ich dann den noch fehlenden Entwässerungsantrag – natürlich in DREIFACHER Ausfertigung – ins Amt, allerdings in ein anderes Büro. Ich hatte den Eindruck, dass mich alle Mitarbeiter viel freundlicher als bislang begrüßten. Kann natürlich aber auch am Freitag gelegen haben.
Natürlich lasse ich es in solchen Situationen nicht „raushängen“, dass ich beim Nordkurier arbeite. Der eine oder andere weiß es aber bestimmt, der Amtsleiter auf jeden Fall. Da frage ich mich dann natürlich, was muss der „normale“ Bürger so im Amt erleben, wenn es nicht reibungslos läuft …