
| Demonstrationen |
von Carsten Schönebeck
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Ganz schön nervös sind die Grünen gegen 13.30 Uhr. Ihr „Demokratiebus“ sollte seit einer Viertelstunde unterwegs sein, um Demonstranten von Greifswald nach Pasewalk zu bringen. Bisher ist er nicht aufgetaucht. Haben die Rechtsextremen den Reisebus sabotiert? Die Reifen aufgestochen? Immer wieder wird mit der Polizei gesprochen, die die Fahrt eskortieren soll. Am Gewaltpotenzial der NPD-Männer hat man hier keinen Zweifel. „Frau und Kind habe ich zu Hause gelassen, man weiß nie, wie weit die gehen“, sagt ein junger Mann. Irgendwann kommt jemand auf die Idee, den Betrieb anzurufen. „Keine Sorge, der Bus ist gleich da“, lautet die Antwort.
Nach dem Schreck vor der Abfahrt löst sich die Stimmung schnell. Warm und bequem ist es ja. Anfangs drehen sich die Gespräche um die NPD und den Abbruch der letzten Kreistagssitzung in Greifswald. „Dass die Nazis gewalttätig geworden sind, ist viel zu sehr untergegangen“, sagt Grünen-Fraktionschef Gregor Kochhan. Doch nach und nach vertieft man sich in die Sitzungsunterlagen oder in Gespräche über Gott und die Welt. Gut 25 Leute sind es, die mitfahren, vor allem junge Menschen. „Die NPD ist ein Problem für die ganze Region. Deshalb wollen wir die Pasewalker unterstützen“, sagt Michael Steiger. Die Unterstützung kann es gebrauchen. Vor der Kürassierkaserne tummeln sich bei der Ankunft nur einige Sozialdemokraten. Auch sie sind aus Greifswald angereist.
Als die NPD-Fraktion eintrifft, sind es gut 50 Menschen, die Transparente halten. Darunter auch Pasewalker, Torgelower und Löcknitzer. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Aktivist verschenkt Grundgesetze an die Rechtsextremen. Keine Pfiffe. Keine Parolen. „Mir ist wichtig, dass alles friedlich bleibt und die Sitzung nicht gestört wird“, sagt Patrick Dahelmann, der die Demonstration angemeldet hat. Das zumindest scheint zu klappen. Mit Beginn der Sitzung hat sich die Veranstaltung aufgelöst. Aber nicht alle sind mit dem Ergebnis zufrieden. Es herrscht Enttäuschung darüber, dass sich nur wenige Pasewalker zu der Demonstration eingefunden haben. Mehr als die Hälfte sind aus Greifswald angereist.
Stephan Schumann von den Greifswalder Jusos versucht sich an einer Erklärung. „Solche Proteste werden vor allem von politischen Jugendorganisationen getragen. Die haben in der Gegend aber nur wenige Mitglieder.“ Andere sind weniger diplomatisch. „Für die Leute hier ist die NPD doch eine ganz normale Partei, die haben längst kapituliert“, sagt einer der Demonstranten.
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