
| Nordkurier |
von Redaktion
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Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ist sich sicher: „Spätestens im April wird die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock Joachim Gauck zum Ehrenbürger erklären.“ Für Methling wäre es schön gewesen, wenn der designierte Bundespräsident schon bei seiner Nominierung am Sonntag im Besitz dieser Auszeichnung gewesen wäre. Doch der entsprechende Antrag sei von der Bürgerschaft noch nicht bearbeitet worden.
Die Begründung für die Ehrenbürgerschaft liegt für Methling klar auf der Hand. Wie kein Zweiter verkörpere Gauck die deutsche Einheit. „Er hat die Einheit dank vieler persönlicher Aktivitäten mitgeprägt.“
„Gaucks Stärke ist die charismatische Art zu reden.“
Dies bestätigen Rostocker, die die spannenden Wendemonate zusammen mit dem Theologen Gauck erlebt haben, darunter auch der frühere Pastor Arvid Schnauer: „Gaucks Stärke ist die charismatische Art zu reden, er kann auf die Gefühle der Menschen eingehen und ihnen lange zuhören.“ Diese Begabung werde Gauck als Präsident beibehalten, ist sich Schnauer sicher. Möglicherweise könnten bei ihm die ein oder anderen Schwierigkeiten bei komplexen Finanz- und Wirtschaftsfragen auftreten, die die Politik derzeit bewegen. „Da muss er gute Berater haben“, sagt Schnauer, der noch ständig Kontakt mit Gauck pflegt.
Uneingeschränkte Zustimmung zur Nominierung kommt vom grünen Landtagsabgeordneten Johann Georg Jaeger, der den damaligen Stadtjugendpfarrer Gauck beim Rostocker Kirchentag 1988 kennenlernte. Gut in Erinnerung ist ihm noch der Mut, den Gauck schon damals auszeichnete. „In seinem Hausflur hing 1989 der erste Kontaktbriefkasten für das Neue Forum“, berichtet Jaeger. Auch damit habe er das Interesse der Stasi auf sich gezogen. Gauck predigte damals mit anderen Pfarrern vor Tausenden. Zentren der Andachten, aus denen Demonstrationen hervorgingen, waren die Marien- und die Petrikirche in der Innenstadt
„Gauck ist kein vereinender, sondern ein spaltender Politiker.“
„Gauck ist kein vereinender, sondern ein spaltender Politiker“, betont dagegen die Vorsitzende der Linken-Bürgerschaftsfraktion, Eva-Maria Kröger. So grenze er die Linken und damit fünf Millionen Wähler aus. Seine Haltung zum „Anti-Kapitalismus“ oder zur „Occupy-Bewegung“ gegen die internationale Finanzpolitik seien unreflektiert. Bei seiner früheren Tätigkeit als Chef der Stasi-Unterlagenbehörde habe er sich als Verfolger und nicht als Versöhner gezeigt. „Herr Gauck hat sich als Jäger hervorgetan“, sagt Kröger. Für die Linken komme eine Ehrenbürgerschaft Gaucks nicht infrage, vielmehr müsse man sich fragen: „Was hat er eigentlich für Rostock getan.“
Verhalten sind die Reaktionen in Wustrow, wo Gauck wenige Meter von der Ostsee hinter dem Deich aufwuchs. Nach dem Willen seiner Schwester Marianne soll das Haus der Gaucks als familiäres Refugium erhalten bleiben, das Freunden und Gästen offen steht. Veränderungen durch die Präsidentschaft seien nicht gewollt. „Die Menschen hier auf Fischland wissen, dass Gauck seine Wurzeln hier hat“, sagt Wustrows Kurdirektor Dirk Pasche. Er erwartet keine Auswirkungen auf die 1200-Einwohner-Gemeinde - und wenn dann nur positive. „Es wird keinen Bundespräsidenten-Tourismus geben“, ist Pasche überzeugt.
Bundespräsident und Bundeskanzlerin aus MV
Die Nominierung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten sorgt in Mecklenburg-Vorpommern vorwiegend für Freude und Stolz. „Ich freue mich darüber, dass mit dem zukünftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck und unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel bald zwei der drei bedeutendsten Ämter der Bundesrepublik Deutschland von Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern bekleidet werden“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Lorenz Caffier am Montag in Schwerin. Merkel hat ihren Bundestagswahlkreis in der Region Stralsund/Rügen.
Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) würdigte Gauck, der als Pastor die Wende in Rostock entscheidend mitprägte und später der erste Chef der Stasi-Unterlagenbehörde war, als „wirkliche Persönlichkeit“. Gauck besitze moralische Integrität und hohes Ansehen auch im Westen, sagte Sellering. Er verspreche sich von der Wahl Gaucks einen entscheidenden Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen von Ost und West.
Dem Amt des Bundespräsidenten seine Autorität zurückgeben
Neben Spitzenpolitikern begrüßte auch der Bischof der Evangelisch- lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, Andreas von Maltzahn, die Nominierung. Er würdigte Gaucks Wirken als Pastor in Mecklenburg und seine Rolle in der friedlichen Revolution 1989. „Beides ist in unserer Landeskirche in bester Erinnerung“, erklärte von Maltzahn. Er wünsche Gauck, dass er nach den Enttäuschungen der jüngsten Präsidentschaft nicht mit übermenschlichen Erwartungen konfrontiert werde.
Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marita Pagels-Heineking, meinte, Gauck werde durch seine Persönlichkeit und seinen eigenen moralischen Anspruch in der Lage sein, dem Amt des Bundespräsidenten wieder Autorität zurückzugeben. Wie kein anderer habe er in den letzten Jahren unermüdlich für die Aufarbeitung der Lebenserfahrungen in den beiden deutschen Diktaturen gearbeitet.
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