
| Bundespolitik |
von Andreas Herholz
|
Politischer Aschermittwoch, das bedeutet normalerweise Keule und nicht Florett. Beim offenen Schlagabtausch am größten Stammtisch der Welt wird diesmal auf Samthandschuhe verzichtet und Klartext geredet ohne Rücksicht auf Freund und Feind, Krawall und Haudrauf bis an die Schmerzgrenze.
Die CSU hat diese Form der politischen Folklore in den vergangenen sechs Jahrzehnten mitunter bis zur Perfektion entwickelt. Ein Polit-Theater, das die Massen anzog und ein eindrucksvoller Beweis für den Volksparteicharakter der Christsozialen war. Mühsam versuchen die anderen politischen Parteien seit Jahren nachzuziehen, doch der Erfolg hält sich in Grenzen.
Vielleicht war Horst Seehofer in diesem Jahr ganz froh darüber, wegen seiner Funktion als kommissarischer Bundespräsident die Rolle des Einpeitschers an den im Ruhestand wie befreit wirkenden Vorvorgänger Edmund Stoiber abgeben zu können. Als mitreißenden Redner und Volkstribun hat man CSU-Chef Seehofer noch nicht erlebt.
Wäre da nicht Stoibers Ausrufezeichen gewesen, der politische Aschermittwoch 2012 wäre kaum der Rede wert gewesen. Zu ernst ist die Lage in Brüssel und in Berlin, das Verständnis für Hohn und Spott hält sich da in Grenzen, die Sehnsucht nach Attacke ist eher gering.
Ob Euro-Krise oder Präsidenten-Rücktritt – die Themen sind nur bedingt für politische Stammtischreden geeignet. Die jüngeren Generationen wird man mit solchen Ritualen kaum für Politik und sicher nicht für die Arbeit der Parteien begeistern können. Wollen die Parteien unbedingt an dieser Tradition festhalten, sollten sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man ihr wieder neues Leben einhauchen kann.
Politischer Aschermittwoch: Dampfeisbrecher für die Kanzlerin
Demmin: Königin Auge in Auge mit der Bundeskanzlerin
Demo vor der Halle: Pfeifen im Kalten statt Rock im Warmen
|
|