Januar 27, 2012
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Berlin von Redaktion

100 Kilometer mehr, doch nicht einen Straßen-Wärter

[RS_CREDIT][RS_BU]Der neue Kreis hat etwa 100 Kilometer Straße mehr zu betreuen – aber für diese Arbeiten fehlen nach Auskunft aus der Verwaltung die Fachleute. Und eine Lösung ist eher nicht in Sicht. [RS_CREDIT] FOTO: Stefan Hoeft
[RS_CREDIT][RS_BU]Der neue Kreis hat etwa 100 Kilometer Straße mehr zu betreuen – aber für diese Arbeiten fehlen nach Auskunft aus der Verwaltung die Fachleute. Und eine Lösung ist eher nicht in Sicht. [RS_CREDIT] FOTO: Stefan Hoeft
Von unseren Redaktionsmitgliedern
Jörg FoetzkeundAndreas Zecher

Immer mehr Macken der Kreisgebietsreform werden offenbar. Statt der Bündelung von Aufgaben kommt es auf einigen Gebieten zum Personalnotstand, weil Mitarbeiter ihren alten Arbeitsplatz nicht verlassen wollen.

Vorpommern.Die Kreisverwaltung hat viele Aufgaben, aber keine Mitarbeiter, die sie erledigen können. Wie Pressesprecher Achim Froitzheim mitteilt, gibt es derzeit in der Verwaltung etwa 60 unbesetzte Stellen, speziell in den Bereichen Jugend und Soziales sowie bei der Straßenaufsicht. Gemessen am BevöIkerungszuwachs durch die Übernahme der Ämter Loitz und Jarmen-Tutow hätten aus dem Altkreis Demmin 78 Mitarbeiter nach Vorpommern Greifswald wechseln sollen, sagt Silke Machniki. Die Leiterin des Personalamtes im Kreis Mecklenburgische Seenplatte hat aber den Personalstamm des Altkreises Demmin noch fast vollständig unter ihren Fittichen. Lediglich sieben Mitarbeiter seien nach Vorpommern gewechselt, heißt es.
Die Verwaltung in Vorpommern-Greifswald steckt nun in einer Misere. In den Bereichen Jugend und Soziales müssten die Mitarbeiter jetzt mehr Fälle als normal betreuen – dass darunter die Qualität der Betreuung leidet, kann man sich im Landratsamt an zehn Fingern abzählen. „Zwar haben wir im Bereich zwischen Jarmen und Loitz rund 100 Kilometer Straße übernommen, doch nicht einen Straßen-Wärter“, verdeutlicht Achim Froitzheim.
Wie der Kreis das Debakel lösen kann, scheint völlig unklar. Vor gut 14 Tagen habe Landrätin Barbara Syrbe (Linke) ihrem Amtskollegen von der Mecklenburger Seenplatte einen Brief geschrieben und die Einhaltung der angesprochenen Abmachungen angemahnt, sagt Froitzheim. Dass daraufhin Verstärkung für die Verwaltung zwischen Greifswald und Pasewalk kommt, ist fragwürdig, denn es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit.
Bliebe noch die Möglichkeit, Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zu gewinnen.
Dem steht zum einen der vom Schweriner Innenministerium verfügte Einstellungsstopp gegenüber. Zum anderen hat sich auch der Kreistag in Sachen Stellenausschreibungen quer gestellt. Offenbar konnte der pauschal vorgetragene Bedarf von 60 neuen Stellen die Politiker nicht überzeugen. Zweifel wurden vor allem aus den Reihen der Kompetenz für Vorpommern und bei den Grünen laut.
„Wir wollen dann schon genau wissen, wo es in welchem Umfang Personalbedarf gibt“, sagt deren Kreistags- und Landtagsabgeordnete Ulrike Berger. Dabei verschließen sich die Grünen nicht der Dringlichkeit des Problems. „Wir können aber nur wissend darüber entscheiden, nicht glaubend“, heißt es dazu. Den Sündenbock sehen die Grünen bei der Landesregierung in Schwerin.
„Wenn die Probleme so gravierend sind, wie es die Landrätin darstellt, dann muss das dort wenigstens bekannt sein“, sagt Berger. Also hat sie als Landtagsabgeordnete eine „Kleine Anfrage“ in dieser Sache gestellt. „Wo es bei der Umsetzung der Kreisgebietsreform zu größeren Problemen kommt, ist auch das Land gefragt, zur Lösung beizutragen, schließlich wurde die Reform auf Landesebene auf den Weg gebracht“, begründet sie ihre Initiative. Und fragt auch, ob das Land um Hilfe bei der Erfüllung von Pflichtaufgaben gebeten wurde und was es dazu schon unternommen hat.
Das soll seitens der Kreisverwaltung bereits geschehen sein. Die Antwort aus Schwerin ist angeblich äußerst ernüchternd ausgefallen. Man könne bei den 20 dringendsten Fälle „grünes Licht“ für eine zunächst auf sechs Monate befristete Anstellung geben, soll es geheißen haben.
Qualifizierte Sozialpädagogen und -arbeiter werden sich danach nicht gerade reißen. Sie gelten laut der Arbeistagentur Nord als Goldstaub auf dem Arbeitsmarkt im Nordosten.
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